Gewächse Zimmerpflanzen - Wonnen des häuslichen Grüns

Zimmerpflanzen sind gut zu uns: Sie ertragen Schatten, filtern die Luft, erheitern das Gemüt. Sie können wie ein Papagei an die Erben übergehen und werden dann wirklich imposant. Lange verpönt, erobern Gewächse das Haus – Nachzügler einer grünen Welle, die Stadtbrachen und Fassaden besetzt.

Irgendwann Ende der 80er-Jahre ließen Nasa-Wissenschaftler vier Räume aus Plexiglas bauen. Sie statteten sie mit einem aus Kupferrohren bestehenden Kühlungssystem und einem Ventilator aus. Bevor sie die Räume für jeweils 24 Stunden versiegelten, schickten sie der Reihe nach Testbewohner hinein. Das waren Zimmerpflanzen, die mit wenig Licht auskommen. Also Philodendron, Sansevierie oder das sogenannte Einblatt. Die Wissenschaftler wollten wissen, ob Pflanzen die Raumluft verbessern. Ihr Ergebnis war eindeutig: Zimmerpflanzen sind nicht nur gut für die Luft, sie filtern in gewissem Maß sogar Schadstoffe heraus.

Seit über 20 Jahren stehen die Pflanzen, die sich die Nasa-Wissenschaftler ausgesucht hatten, auf den unterschiedlichsten Empfehlungslisten. Keine wird ausgetauscht, keine kommt hinzu. Allerdings scheint die Botschaft von ihrem Nutzen – fünf große Exemplare für 30 Quadratmeter sind optimal – lange Zeit kaum jemanden interessiert zu haben. In der Zeit von Minimalismus, Luxusresorts und steigenden Kunstmarktpreisen sank die Lust am häuslichen Grün rapide. Auf Zimmerpflanzen spezialisierte Gärtnereien schlossen. Gewächse, die unvermeidlich schienen, verwandelten sich zu Raritäten. Christdorn, eine graue Euphorbie mit nagelkleinen Blättern und bluttropfengroßen roten Blüten, die wie die Isetta zu den 60er-Jahren gehörte: unbekannt.

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Autor:
Elke von Radziewsky
Fotograf:
Giovanni Castell