Von Geburt an getrennt, sind sie endlich glücklich vereint: Kunst und Design, die Zwillinge der Kultur…
Dass Kunst und Design sich brauchen und befruchten, habe ich kürzlich in Berlin wieder erleben dürfen, bei einem Dinner im kleinen Kreis in der Neuen Nationalgalerie, anlässlich der gleichnamigen Ausstellung des Fotokünstlers Thomas Demand. Dass Mies van der Rohes Stahl-Glas-Palast, der für eine Bilderausstellung denkbar ungeeignet ist, nicht nur die eindrucksvolle Bühne für Demands Fotografien (siehe auch Seite 52) abgibt, sondern auch zum ersten Mal für einen gedeckten Tisch, an dem geladene Gäste bewirtet wurden, ist dem dänischen Textilunternehmen Kvadrat zu verdanken. Die Avantgardefirma hat die „Stellwände“ für Demands Bilder nach dessen Vorstellungen in Form schwerer Vorhangstoffe produziert – circa fünf laufende Kilometer – und gespendet.
Kunst und Design verbindet auch Richard Artschwager in seinem Werk – und privat in seinem Zuhause in einer ehemaligen Kirche im Hudson Valley. Wir haben ihn ebenso besucht wie Stareinrichter Joe d’Urso, der auf Long Island das Haus eines kunstsinnigen Bauherrn mit Designikonen des 20. Jahrhunderts aufgemöbelt hat. In Berlin öffnete uns Karena Schuessler, die mit junger Kunst handelt und sich mit Möbeln von Jean Prouvé, Ray und Charles Eames sowie Ettore Sottsass umgibt, ihre Wohnung. In Schanghai ließ uns Galeristin Elisabeth de Brabant in ihre Villa im französischen Viertel. Die Kunst der Innenarchitektur zeigt ein junges Paar in Gent, das mit cleveren Raumboxen eine kalte Fabrikhalle im Winter wohnlich macht. Und wir geben Rat, wie jeder zusätzlichen Raum im Raum schaffen kann.
Kunstvoll ist auch der exotische Garten an der Côte d’Azur, den der spleenige Major Johnston als südliches Gegenstück zu seinem Hidcote Manor im englischen Cotswolds kreiert hat. Ebenso die Architektur des jungen Dänen Bjarke Ingels, der als Büro BIG von sich reden macht. Die Grenze zwischen Design, Kunst und Technologie testet Moritz Waldemeyer aus: Lichtobjekte für Ingo Maurer und Ron Arad. Sein jüngstes Projekt: ein blinkendes Bühnen-Outfit für den U2-Sänger Bono. Viel Spaß beim Lesen!
PS: Dass auch das Gestalten von Personenkraftwagen mit Kunst zu tun hat, ist an den Oldtimern zu sehen, die wir in unserem Auto-Extra zeigen – und am Handwerk, mit dem eine englische Werkstatt alte Bugattis zu neuem Leben erweckt: ab Seite 187.