Der Wunsch nach mehr Komfort macht Falten. Umbau kostet, auch Nerven.
Dennoch: nur Mut!
Schon mal renoviert oder umgebaut? Dann wissen Sie ja, was für Sorgen und Nöte einem ins Haus schneien, bevor man sich endlich darin wohlfühlen kann. Dabei meine ich nicht die finanziellen (obwohl auch die Kosten heutzutage meist um die zwanzig Prozent höher ausfallen als geplant). Ich denke vielmehr an den Ärger mit den Gewerken. An Handwerker, die nur deshalb so heißen, weil sie ihr Hirn nicht benutzen. An die Hilflosigkeit, die einen überfällt, wenn der sündteure Granit falsch zugeschnitten geliefert wird. Und an die Kapitulation vor dem eingebauten Murks, weil die Nerven fehlen, das Ganze zurückgehen zu lassen, weitere Wochen zu warten. Bauen macht Falten - und demütig!
Die Häuser und Wohnungen, die wir Ihnen in dieser Ausgabe vorstellen, waren vorher Obsthalle und Geigenfabrik, Kühlraum für Schweinehälften, Ladengeschäft oder Speicher für Fischreusen und -netze. Und zwar in Mailand, London, im New Yorker Meatpacking District, in Antwerpen und an der Havel, in der Nähe von Berlin. Die Bauherren: Architekten, Antiquitätenhändler, ein lebensfroher Designer und ein designverliebter Lebenskünstler. Alle haben Mut bewiesen, den Umbaustress für mehr Komfort in Kauf genommen und können nun spannende Storys erzählen. Lesenswert!
Interessant auch der deutsche Beitrag zur Architektur-Biennale:
Unter anderem geht es dort um “Re-charge“, um die Umwidmung von Gewerbeimmobilien in attraktiven Wohnraum, passend zum Motto “Convertible City“. Siehe dazu das Interview Seite 190. Aber nicht nur Gebäude sind ein Modernisierungsthema: Das beweist ein Garten aus den 20er-Jahren in Köln. Das Gründenkmal ist originalgetreu, aber zeitgemäß erneuert.
Und dann haben wir noch Japans Avantgarde-Architektenpaar Sanaa besucht, die gerade in Essen gefeiert werden; erfolgreiche Fabrikanten, die mit Kunstförderung ihren Umsatz steigern; und wir haben uns in der Hamburger Designszene vergnügt.
Ihnen viel Vergnügen mit A&W!
BARBARA FRIEDRICH
