Darf Design Kunst sein? Kann man auf der Kunst sitzen? Meine Antwort: Denken Sie doch, was Sie wollen. Designer sind die neuen Rockstars, verkündet Design Miami-Messeinitiatorin Ambra Medda. Wahrscheinlich hat sich deshalb Bobbeles Ex Babs Becker in den Belgier Arne Quinze verliebt. Diesen gut aussehenden Designer haben wir zwar noch nicht porträtiert, aber wir nennen mal Philippe Starck, Ron Arad, Ross Lovegrove, Tom Dixon. Allesamt smart, schon mal als „A&W-Designer des Jahres“ geehrt und mit Rocker-Allüren gesegnet. Sie sind die Vorbilder für Quinze und andere „Stars“ der derzeit hippen Designszene. Insofern hat Miss Medda mit ihrem Vergleich nicht ganz unrecht. Wirklich neu ist die Erkenntnis aber nicht. Eher die: Design ist die neue Kunst – titelte „The New Yorker“ über den Hype, der Liegen, Tische, Leuchten, Stühle von Designern auf Auktionen zu Millionen Dollar weggehen lässt. Und der darin gipfelt, dass zum Beispiel Branchendiva Zaha Hadid gar nicht mehr für Benutzer entwirft, sondern gleich für die Galerie – und den Kunstmarkt. Schon gibt es Messen wie die Londoner DesignArt, die auf dem Erfolg der DesignMiami fußt. Ein Ende des Booms ist nicht in Sicht. Übernimmt der Museumsshop das Museum? Wie viel Kunst darf Architektur und Design sein? Das war Thema einer Talkrunde, die ich kürzlich in Stuttgart moderierte (siehe Forum). Von „Design ohne Funktion ist dummes Zeug“ bis „Unser Alltag braucht den künstlerischen Ansatz“ gab es viele Meinungen und keine schlüssige Antwort. Ich endete mit dem Satz: „Denken Sie doch, was Sie wollen!“ Denken ermöglicht neue Sichtweisen.
Wie Kunst und Design sich im wohnlichen Ambiente vertragen; wie der künstlerische Ausdruck der Architekturlegende Oscar Niemeyer selbst ein profanes Spielcasino zum Kultobjekt macht, eine Künstlerin sich durch das Gestalten von Gärten mitteilt, und was das als Zentrum der Autoindustrie bekannte Turin zur Welthauptstadt des Designs ’08 macht: Lesen Sie A&W, und denken Sie doch bitte, was Sie wollen! Ich wünsche Ihnen dabei Einsichten, die Ihnen Vergnügen bereiten …
Ihre Barbara Friedrich
