Skandinavien, der kühle Norden?
Im Design sind die Länder heiß wie das Sommerhoch. Und super-cool!
Während hierzulande der Nierentisch und die Tütenlampe aus Faszination für den American Way of Life in den 50er-Jahren in die Haushalte einzog, nahm man sich im hohen Norden eher das Bauhaus zum Vorbild. Wie die Dessauer Schule in den Zwanzigern haben nordische Designer die soziale Vision und Botschaft: „Schönheit für alle!“ Die 50er- und 60er-Jahre prägen das Bild von „Design aus Skandinavien“; viele Gestalter und ihre Objekte aus dieser Zeit genießen bis heute Kult-Status: Alvar Aalto mit Bugholzsessel „Paimio“, Arne Jacobsen mit „Ameise“ und „Ei“, Verner Pantons Stuhl aus Kunststoff.
Der demokratische Ansatz ist typisch für das skandinavische Lebensgefühl, zu dem das allgemeine Duzen gehört und ein sympathischer Hang zum Einfachen (auch in der Steuerpolitik). Nicht von ungefähr hat das schwedische Möbelhaus Ikea die ganze Welt erobert – und dabei mehr zur breiten Geschmacksbildung beigetragen als irgendeine Design-bewegung zuvor. Natürlich spielte die Idee des Gründers dabei eine Hauptrolle: die Möbel so billig wie möglich anzubieten. Skandinavien kann auch edel und teuer: Bang & Olufsen ist die Kultmarke für Hi-Fi-Fans, Georg Jensen-Silber muss man sich leisten können wie Porzellan von Royal Copenhagen. Aber schön sind diese Dinge des Alltags!
Dieses A&W-Special stellt die Top-100 der Designer und Hersteller aus Schweden, Finnland, Dänemark und Norwegen vor – und unsere Wahl der Klassiker. Dabei beschränken wir uns keineswegs auf die Großen von gestern, sondern nennen die Talente von heute, die international bereits großes Aufsehen erregen, wie die jungen Schwedinnen von Front. Ohne Proporzdenken und Anspruch auf Vollständigkeit soll dieses Extra eine ebenso informative wie unterhaltsame Lektüre sein – und ein dienliches Nachschlagewerk für alle Design-Liebhaber.
Barbara Friedrich
