Komfort für die Küche Interview mit Mick De Giulio

Die meisten Ideen kommen dem Chicagoer Designer Mick De Giulio zu Hause in seiner eigenen Küche. Die besten hat er nun in der „BeauxArts.02“ für SieMatic vereint. Ein Gespräch über Materialmix, Komfort und die Küche als Herz des Hauses.

Mick De Giulio

A&W: Vor fünf Jahren haben Sie mit SieMatic die erste Generation der „BeauxArts“ entwickelt. Es war eine Neudefinition der Landhausküche: behaglich und doch elegant, warm und cool zugleich und aus Materialien, die mit Patina nur noch schöner werden. Was hatte Sie zu diesem Entwurf inspiriert?

Mick De Giulio: Ich habe in den vergangenen Jahren beobachtet, dass die Leute gern Dinge haben, die speziell für sie gemacht worden sind, weil sie genau ihren Bedürfnissen und ihrer Persönlichkeit entsprechen. Zugleich wurde die Küche mehr und mehr zum Zentrum des Hauses. Deshalb haben wir ein Konzept entworfen, bei dem die Küche personalisiert werden kann. Sie ist flexibel und frei kombinierbar und hält sich nicht an die strengen Regeln eines Stilvokabulars, das ausschließlich klassisch oder nur modern ist. So kann jede Küche zu einem unverwechselbaren Raum werden – und bietet zugleich die herausragende Technik und Funktionalität von SieMatic.

A&W: Jetzt wurde die neue „BeauxArts.02“ vorgestellt. Worin unterscheidet sie sich von der ersten Kollektion?

Mick De Giulio: Sie führt das Konzept des freien Kombinierens von verschiedenen Materialien, Einzelstücken und klassischen wie modernen Designelementen der ersten „BeauxArts“ fort, ist aber insgesamt moderner.

A&W: Wodurch?

Mick De Giulio: Vor allem durch leichte Veränderungen in den Proportionen. Das ist in meinen Augen das Wichtigste, wenn man einer Küche oder überhaupt jedem Entwurf ein neues Gesicht geben will. Ich habe einige Linien filigraner und dünner gemacht – etwa die Seitenwangen und die Griffe. Für die Fronten gibt es neue Farben wie Sterlinggrau und Lotusweiß sowie ein dunkles, glattes Nussbaumholz. Und wir haben zwei neue Materialien ergänzt: rückseitig lackiertes Glas und polierter Edelstahl – beides Klassiker im modernen Küchendesign. Der Edelstahl zeigt sich als schmaler Rahmen bei den neuen Oberschranktüren aus Glas, bei den Schubladen ist er mit matten Edelstahlfronten kombiniert.
Die „BeauxArts.02“ erweitert die Gestaltungsmöglichkeiten in der Küche noch. Sie regt dazu an, die Regeln zu brechen, denn man kann Symmetrien mit Asymmetrien mischen und auf diese Weise unerwartete Rhythmen schaffen!

A&W: Sie haben einen Bildband über Ihre Arbeit herausgegeben, „Kitchen Centric“ (Balcony Press 2010, um 49 Euro, z. B. über amazon.de), in dem Sie schreiben, von den so genannten „Butlers Pantries“ hätten Sie viel über die Verbindung von Form  und Funktion gelernt. Diese kleinen Anrichte-Zimmer, die in vielen amerikanischen Villen einst Küche und Speisezimmer verbanden, sind wohl auch so etwas wie Verwandte der berühmten „Frankfurter Küche“ der 1920er-Jahre. Gibt es Merkmale der „BeauxArts.02“, die man direkt auf dieses Vorbild zurückführen kann?

Mick De Giulio: Sie haben recht, Butler’s Pantry und „Frankfurter Küche“ sind Brüder, was die Effizienz und Wirtschaftlichkeit der Raumnutzung angeht. Und obwohl einige „BeauxArts“-Modelle in Showrooms auf großer Fläche präsentiert sind, wurden sie so entworfen, dass sie auch in kleinen Räumen funktionieren. Denn ohne eine effiziente Raumaufteilung macht auch die allerschönste Küche niemanden glücklich.

A&W: In den Küchen, die Sie entworfen haben, gibt es immer eine Menge Polstermöbel und Kissen, manchmal hängen sogar Kunstwerke an den Wänden. Das passt einerseits zu dem vielbeschworenen Trend, dass die Küche ins Wohnzimmer wächst ....

Mick De Giulio: .... ich würde eher sagen: die Küche ist das neue Wohnzimmer, und das macht sich vor allem durch eine Idee von Behaglichkeit bemerkbar, die es vor 25 oder 30 Jahren nicht gegeben hat.

A&W: Aber andererseits vertragen sich Polster, Textilien und Kunst nur schwer mit dem fettigen Dampf und Geruch, den Kochen nun manchmal mit sich bringt.

Mick De Giulio: Sie brauchen einfach eine Dunstabzugshaube mit guter Abluftleistung. Es gibt sehr leise Geräte, die trotzdem wunderbar funktionieren.

A&W: Betrachten Sie Ihre eigene Küche als eine Art Ideenlabor?

Mick De Giulio: Definitiv. Hier teste ich Materialien für Arbeitsplatten oder Fronten ebenso wie neue Stauraumlösungen. Vor ein paar Jahren habe ich mit der Idee eines niedrigen Frühstückstisches experimentiert, dessen Höhe mit 70 Zentimetern zwischen der eines Coffeetables und eines Esstischs lag. Ich kombinierte ihn mit einem kleinen Sofa und Sesselchen statt mit normalen Stühlen. Es war perfekt für meine Frau und mich, denn seit die Kinder aus dem Haus sind, machen wir es uns gern in der Küche gemütlich – am liebsten mit einem kleinen, informellen Imbiss, Tapas zum Beispiel. Auf diese Weise überprüfe ich meine eigenen Gewohnheiten und immer wieder stellt sich heraus: die besten Ideen, die ich dabei habe, sind die einfachen, die Low-tech-Ideen. Das liebe ich an Küchen.

www.siematic.com
www.degiulio.org

Interview: Gabriele Thiels