Ratgeber Kaminöfen: Tipps für den richtigen Umgang

Feuer mit Vernunft: Kaminöfen können mehr als romantische Stimmung schaffen. Sie sparen durch dezentrales Heizen. Sieben Tipps für den richtigen Umgang mit ihnen.

Das offene Kaminfeuer war lange Zeit der Inbegriff von Luxus. Es prasselt, knistert und duftet, und wer lange genug nah an den Flammen sitzt, bekommt heiße Wangen. Doch wer das Holz nachlegt, merkt, wie schnell die Lagerfeuer- Romantik enorme Mengen von Rohstoff verbraucht. Kaminfeuer liefern Strahlungswärme, heizen aber kaum. 80 Prozent der Energie werden aus dem Schornstein gepustet. Auch wenn Luftführung, Rauchgasgebläse, Wärmetauscher und dicht verschließbare Glasscheiben die Effizienz auf 60 Prozent erhöhen, ist das Heizen mit dem offenen Kamin eine Ressourcenverschwendung.

Öfters mal die Zentralheizung runterdrehen und das Wohnzimmer mit einem Kaminofen auf kuschelige Temperatur bringen ist das Heizkonzept der Zukunft. Das gilt besonders für die Übergangszeit. Ein durchschnittlicher Haushalt erzeugt in der Zeit von März bis November 40 Prozent der jährlichen Heizkosten. Die Zentralheizung kann ausgeschaltet bleiben, wenn ein Kaminofen bei Außentemperaturen von 10 bis 15 Grad einmal täglich befeuert wird. Skandinavier haben die Kaminöfen in der Mitte des vorigen Jahrhunderts erfunden.

Ständig steigende Energiepreise machen sie heute immer attraktiver Im Gegensatz zu Öl und Gas sind die Preise für Holz in den letzten Jahren nämlich nicht rasant gestiegen. Zudem wird beim Verbrennen von Holz nur so viel CO2 freigesetzt, wie der Baum zuvor während seiner Wachstumsphase binden konnte. Kaminöfen heizen nicht nur schnell und effizient, sondern sind auch noch klimaneutral – wenn sie richtig ausgewählt wurden.

Sieben Tipps für das richtige Vorgehen:

1 Schornsteinfeger bestellen.

Der prüft, ob es Kaminschächte im Haus gibt, die genutzt werden können oder ob zusätzliche Abzüge eingebaut werden müssen, weil bestehende schon von Öl- oder Gasheizung genutzt sind. Wenn kein freier Abzug vorhanden ist, baut der Schornsteinfeger den neuen. Außerdem kann er einschätzen, wie viel Heizleistung für die Raumgröße empfehlenswert ist. Wer in einem luftdichten Passivhaus wohnt, kann einen bullig warmen Ofen möglicherweise gar nicht gebrauchen. Empfehlenswert ist, einen gemeinsamen Termin von Ofenbauer oder Kaminstudio und Schornsteinfeger in der Wohnung zu vereinbaren.

2 Standort bestimmen.

Reicht die Statik des Fußbodens im Zimmer aus, um Kamin und Schornstein zu tragen? Brandschutzvorschriften teilen mit, wie groß der Abstand des Ofens zu brennbaren Materialien sein muss: Die Feueröffnung sollte zu den Seiten 30 cm feuerfesten Untergrund haben, nach vorne 50 cm. Meist wird der Kaminofen auf feuerfeste Platten gesetzt. Es gibt Modelle, die an derWand aufgestellt werden, solche, die zentral im Raum stehen, und andere, die gut in Ecken passen.

3 Frischluftzufuhr prüfen.

Kamine in offenen Wohnküchen können problematisch werden. Wenn der Kamin angefeuert ist und die Dunstabzugshaube zu viel Frischluft absaugt, kann giftiges Kohlenmonoxid in den Raum gesaugt werden. Im Allgemeinen hilft es, aufmerksam zu sein und ab und zu das Fenster zum Stoßlüften zu öffnen. Fensterkontaktschalter, die automatisch lüften, oder Differenzdruckschalter, die eine Dunstabzugshaube ab einem gewissen Wert automatisch abschalten, bieten auch Abhilfe. Für Passivhäuser mit kontrollierter Wohnraumlüftung empfehlen sich raumluftunabhängige Kamine, bei denen Verbrennungsluft über separate Leitungen abgesaugt wird.

4 Ofentyp aussuchen.

Kaminöfen sorgen nicht nur für eine wohlige Wärme, viele Geräte haben Zusatzfunktionen. Wasserführende Modelle wie „Waterplus“ von Wodtke oder „Acquaplus“ von MCZ gewinnen die Wärme des Feuers über einen Wärmetauscher zurück und bewahren sie in einem Pufferspeicher auf, um Wasser zu heizen. Die „Comfort Air“-Technologie von MCZ verteilt die warme Luft auf verschiedene Räume. Welche Zimmer beheizt werden, kann man über Luftschächte und Ventilatoren kontrollieren, während integrierte Wasserschalen für eine angenehme Luftfeuchtigkeit sorgen. Manche der Öfen unterstützen die Zentralheizung oder speichern die Wärme in Steinplattenoder Specksteinaufsätzen. Zum Kochen, Backen und Braten eignen sich die Modelle „Gourmet“ und „Baker“ von Firetube. Für die meisten von uns ist es zwar schwer vorstellbar, im Zeitalter der Vollinduktionskochfelder mit den Geräten unserer Urgroßmütter ein 4-Gänge-Menü zu zaubern – aber warum in der Küche einen Wasserkocher anwerfen, wenn das Teewasser ganz ohne Stromverbrauch im Wohnzimmer zum Sieden gebracht werden kann?

5 Feinstaubverordnung beachten.

Seit April 2010 gilt die neue Schadstoffregelung, die gewisse Filterund Brenntechniken fordert. Öfen, die vor April 2010 in Betrieb genommen wurden, müssen bis 2024 nachgerüstet werden.

6 Holz bereitstellen.

Holz ist ein idealer Brennstoff. Denn es enthält weder Schwermetalle noch Schwefel und wärmt klimaneutral. Ökologisch korrekt ist es auch, denn der Holzzuwachs in Europa ist immer noch größer als der Holzverbrauch. Stückholz für Kaminöfen wächst direkt vor der Haustür. Es entsteht keine Umweltbelastung durch weite Transportwege, und es muss nicht industriell unter dem Einsatz von Energie hergestellt werden wie Pellets. Frisch geschlagenes Holz enthält zwischen 45 und 60 Prozent Wasser. Gutes Kaminholz muss trocken sein, darf nur eine Restfeuchte von unter 20 Prozent haben. Deshalb muss Feuerholz etwa zwei Jahre trocken gelagert werden.

7 Anfeuern.

Europäisches Laubholz, also Eiche, Buche oder Birke, haben den besten Heizwert. Nadelhölzer wie Kiefer und Fichte eignen sich eher zum Anfeuern, denn sie verbrennen schnell. Zum Anheizen des Kaminofens kleine Stücke verwenden und für hohe Sauerstoffzufuhr sorgen. Dann wird das Feuer schnell richtig heiß. Gut sieht es aus, wenn blaurote Flammen züngeln. Dann verbrennen die flüchtigen Holzgase, danach glüht nur noch die Holzkohle. Reine Holzöfen brauchen keinen Rost, ihr Feuer brennt im Aschebett. Weiße Asche zeigt eine saubere Verbrennung an. Sie enthält übrigens Kalzium, Kalium und Magnesium – das freut, als Dünger genutzt, viele Pflanzen.

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Autor:
Dorothea Sundergeld
Fotograf:
Fondation d'entreprise Hermès/DISKO, Thomas Elmenhorst