Neu aufgelegt Leuchten-Klassiker von Kalmar

Dornstab und Keule - Schon die Leuchtennamen sind Manifest: Ohne Firlefanz und Brimborium fixieren sie, was gesehen wird. Die auf Projektentwicklung spezialisierte Wiener Firma Kalmar legt Klassiker aus ihrer Werkbund-Geschichte neu auf.

Kalmars Signature Piece
Leuchte Dornstab

„Dornstab“ heißt die Leuchte, von der Design- Freunde meinen, auch Isamu Noguchi hätte sie entwerfen können. Für leichtes Umhängen des Lampenschirms sind im hölzernen Stiel Dornen angebracht.

Ein Stecken wie eine Angel, ein Schirm, ein dem Stiefelknecht abgeschauter Fuß, Kabel, Glühbirne: Fertig ist die Design-Leuchte. Kein Ornament, kein Dekor, kein Firlefanz, schon gar kein Designername – Julius Theodor Kalmar wäre bei dem Personenkult von heute „die Zornesröte ins Gesicht gestiegen“, sagt Thomas Calice, ein Nachfahre in vierter Generation und heute Chef der Wiener Traditionsfirma. „Dornstab“ heißt die zum Klassiker avancierte Leuchte von 1947. Heute ist sie das präzise und bis in den letzten Zentimeter von Hand gefertigte „Signature Piece“ des Unternehmens und steht für all das, was Thomas Calice seinen „Schatz“ nennt: einen großen Fundus funktionaler Leuchtenentwürfe.

Urheber des „Schatzes“ ist der zitierte Julius Theodor Kalmar (1884–1968), gelernter Gürtler und Erbe einer Bronzewarenfabrik. Er besucht neben der Lehre die Wiener Kunstgewerbeschule, legt ein Auslandsjahr an der Birmingham School of Art ein, einem der Hauptzentren der Arts-and-Crafts-Bewegung, und übernimmt 1913 die väterliche Firma. Ende der 20er-Jahre beginnt er, mit Architekten des Werkbundes rund um Josef Frank zusammenzuarbeiten – jenem Josef Frank, der als Jude 1933 nach Schweden emigrierte, wo er die Formensprache und Gedankenwelt des österreichischen Werkbundes implantiert.

Leuchte „Admont“
Hängeleuchte Admont

Eine Version der Hängeleuchte „Admont“ von 1930 aus Rosenholz und Bronze. Typisch für Kalmar: die seitlich angebrachten Halter für die Glühbirne.

Kalmar lässt sich für die Werkbund-Ideen begeistern und produziert für Frank Leuchten, auch für die unter dessen Leitung entstehende Wiener Werkbundsiedlung, ein programmatisches Unternehmen: „Mit kleinen, vernünftig geschnittenen Wohnungen wollte man den Menschen beibringen, wie modernes Wohnen geht“, sagt Thomas Calice. Aus jener Zeit stammt die Hängeleuchte „Admont“. Gefertigt aus Rosenholz und Bronze, ein Exempel für die typisch wienerische Kombination aus Moderne und Tradition.

 

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Elke von Radziewsky