Claudio Luti Plastikmöbel von Kartell

Kartell wurde mit Plastikmöbeln weltberühmt– dank Claudio Luti. Der Firmenchef, ein ehemaliger Modemanager, verrät das Erfolgsgeheimnis.

Small Ghost Buster

„Invisible“-Bank

Fast unsichtbar, doch massiv ist Tokujin Yoshiokas „Invisible“-Bank.

 

 

 

 

 

 

 

 

Sie sind ein Widerspruch in sich. Fast unsichtbar, aber nicht schwerelos. Im Gegenteil: Bis zu 300 Kilo wiegen Sofa, Sessel und Tische der neuen Kollektion „Invisibles“, die Tokujin Yoshioka für die italienische Marke Kartell entworfen hat. Es sind Unikate aus kompaktem durchsichtigem Polycarbonat, das nie zuvor so verarbeitet wurde, so transparent und zugleich so massiv. Im Januar 2011 waren sie in Köln zu sehen, auf der A&W-Designer des Jahres-Ausstellung, und wer sie gesehen hat, dem ist klar: Das sind keine gewöhnlichen Kunststoffmöbel, das sind Kunstwerke.

Claudio Luti

Claudio Luti erwarb Kartell 1988. Zuvor war er Geschäftsführer von Versace.

Claudio Luti, der Inhaber und Präsident des Designunternehmens, nennt sie poetisch „das letzte Stück meiner Reise zur Transparenz“. Er, der früher Manager bei Versace war, arbeitet seit mehr als zehn Jahren an der Unsichtbarkeit von Kunststoff. Er hat das zu einer Art Markenzeichen von Kartell gemacht und wie nebenbei auch mit dem Vorurteil aufgeräumt, dass Plastik billig wirken muss. Als er die Firma 1988 von ihrem Gründer, dem Chemie-Ingenieur Giulio Castelli, kaufte, dachte er zu Ende, was im Know-how der Firma angelegt war. Seit den Anfängen 1949 hatte sie auf industrielle Kunststoff-Fertigung gesetzt – Autozubehör, Laborartikel (sie machen 20 Prozent der heutigen Produktion aus), Haushaltswaren, ab 1963 auch Möbel. Luti suchte die Zusammenarbeit mit bekannten Gestaltern und verband systematisch Industrie und Design: Das Ergebnis war 1999 Philippe Starcks „La Marie“, der erste Stuhl der Welt, der in einer einzigen Form aus transparentem Polycarbonat hergestellt wurde.

Stuhl „Ghost“

Der Stuhl „Ghost“ von Philippe Starck ironisiert ein antikes Möbel.

Seither ist die Kollektion um Entwürfe von Alberto Meda, Ferruccio Laviani und immer wieder Philippe Starck gewachsen. Viele Möbel sind transparent, alle leicht, stabil und bezahlbar: demokratisches Design made in Italy. Kartell wird in 96 Ländern verkauft. „Es geht darum, das Territorium zu kontrollieren“, erklärt Claudio Luti, „mit starker Identität und einem starken Vertrieb.“ Und weil der so erfolgreich ist, pflegt er das Image durch Projekte wie „Invisibles“. Auch wenn die „Unsichtbaren“ wohl nur etwas für Kunstsammler sind.

Schlagworte:
Autor:
Gabriele Thiels