Möbeltextilien Stoffe der Familienmanufaktur Rohi

Seit mehr als 75 Jahren erfindet die Familienmanufaktur Rohi mit Sitz in Geretsried immer neue hochwertige Möbeltextilien aus Wolle. Einige können sogar fliegen.

Wenn alles am wollenen Faden hängt, kann es sein, dass man gerade mit einem Mitglied der „Rohi-Familie“ fachsimpelt, natürlich über hochwertige Wollwebstoffe. Und dann folgt wahrscheinlich der Rotwein-Test: Tina Wendler legt ein weißes Tuch auf den Konferenztisch im Firmensitz in Geretsried unweit des Starnberger Sees und schüttet die rote Flüssigkeit auf das helle Gewebe. Ein Riesentropfen perlt. Mit einem Papiertuch saugt die Textilingenieurin ihn auf, und es bleibt keine Spur. „Der Fettgehalt und die dichte Webbindung des Garns verhindern ein Durchsickern“, erklärt die 45-Jährige, die im 40-Leute-Betrieb Marketing und Vertrieb verantwortet. Seit mehr als 75 Jahren fertigt die familiengeführte Webmanufaktur Möbelstoffe, zum Beispiel für Polstermöbel von Cassina, Cor, Rolf Benz oder Vitra und häufig in Kooperation mit Künstlern und internationalen Designern wie Paola Lenti oder Nitzan Cohen.

"Wir sind Wollfanatiker und das in der dritten Generation!", kommentiert Katrin Hielle-Dahm, die jüngere Schwester, das Flecken-Experiment. Sie ist Designchefin, ein großes Erbe: Großmutter Marga Hielle-Vatter war eine Pionierin. Viele ihrer zurückhaltenden, vielfältig strukturierten Dessins, die auf der Mailänder Triennale 1953 oder bei der Weltausstellung in Brüssel 1958 ausgezeichnet wurden, konnte man kürzlich im Bard Graduate Center in New York bewundern: in der Ausstellung „Knoll Textiles, 1945–2010“.

In Schönlinde, im damaligen Sudetenland, hat alles begonnen. Marga Hielle-Vatter und ihr Ehemann Rolf Hielle, dessen Anfangsbuchstaben den Firmennamen bilden, produzierten seit 1933 Wollstoffe. Nach dem Krieg wagten sie den Neubeginn in Bayern, mit drei Handwebstühlen in einem Gewächshaus in Ammerland. 1951 – die Ehe war in die Brüche gegangen – verlagerte Marga Hielle-Vatter den Betrieb nach Geretsried, in die Wäscherei eines vormaligen Bunkers. Im Laufe der Jahre wuchsen große Flachdachflügel links und rechts des Ziegelbaus. Heute entsteht in der Manufaktur rund ein Viertel der 500 000 Meter Wollstoffe, die weltweit exportiert werden; die anderen Viertel fertigen deutsche Lohnwebereien und Färbereien nach strengen Rohi-Vorgaben. In den vergangenen Jahren hat sich der Umsatz fast verdoppelt, vor allem dank der „Luftgeschäfte“.

Bernd Hielle, Sohn der Gründerin und Vater der beiden Haupteignerinnen, hat in den 1970er-Jahren begonnen, Textilien für Flugzeuginterieurs zu entwickeln. Lufthansa, Singapore Airlines, Emirates zählen zu den Kunden. Neben der Produktionsstätte und dem Braintank für acht Designer gibt es bei Rohi ein Laboratorium für Textilentwicklung und -kontrolle. Geschäftsführer Philipp Dahm, wie der Rest der Rohi-Familie ein bekennender „Wollaner“, blickt optimistisch in die Zukunft: „Immer mehr erkennen, dass die Evolution schlauer ist als die Chemie.“ www.rohi.com

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Autor:
Barbara Kraus
Fotograf:
Bärbel Miebach, PR