Uhren Zeichen der Zeit

Viele Designer der jüngeren Generation beschäftigen sich in ihren Entwürfen mit der Veranschaulichung von Zeit und Vergänglichkeit. Und zwar spielerisch, erzählerisch, unterhaltsam – aber durchaus auch nachdenklich.

Eine leere Wiese in Berlin, im Hintergrund der Fernsehturm, im Vordergrund seltsam zusammengezimmerte, frei stehende Baulatten. Das fragile Ensemble bildet die Ziffern 06:16. Nach einem Moment der Ruhe kommen Bauarbeiter, versetzen eine Latte, entfernen zwei und verschwinden wieder. Stehen bleibt 06:17. Die Arbeiter hatten nur eine Minute für ihre Tätigkeit. Sie bauten die Zeit. Der deutsche Künstler Mark Formanek hat sein Werk „Standard Time“ mithilfe von bis zu 70 Arbeitern inszeniert, die die Baulatten in Echtzeit zur jeweils aktuellen Uhrzeit umbauen mussten. Und zwar exakt Minute für Minute.

„Standard Time“ ist ein markantes Beispiel für eine überraschend große Zahl von Arbeiten junger Designer und Künstler, die sich auf neuen Wegen dem Thema Zeit nähern. Seit die neuen Medien und das Internet weltweit für viele verfügbar sind und für die Facebook-Generation die physische Anwesenheit keine Voraussetzung mehr für aktive Teilnahme ist, haben Zeit und Raum eine neue Bedeutung. Wohl deshalb haben sich Gestalter in den letzten Jahren dafür interessiert, nicht mehr nur Zeitmesser als Produkt zu gestalten, sondern auch das subjektive Empfinden von Zeit zu visualisieren.

Wie der Niederländer Maarten Baas, der für sein „Real Time“-Projekt (A&W 4/2009) einen Mann zwölf Stunden lang beim Zeichnen jeder Minute filmte und das Video im Zifferblatt einer Standuhr laufen lässt. Sander Mulder, auch Niederländer, hat für seine „Pong Clock“ das erste Video spiel der Welt „Pong“ so programmiert, dass es gegen sich selbst spielt und der Spielstand jeweils die aktuelle Uhrzeit anzeigt. Der „Chrono Shredder“ der Berlinerin Susanna Hertrich betreibt spezielle Vergangenheitsbewältigung – er zieht den abgelaufenen Tag durch den Reißwolf. Und Christiaan Postma aus Stockholm hat aus über 150 Uhrwerken, deren Zeiger zu der betreffenden Uhrzeit an der richtigen Stelle das passende Zahlwort bilden, ein Objekt entworfen. Diese und viele andere Beispiele neuer Zeitmaschinen zeigt das Triennale Design Museum in Mailand in einer von A&W-Redakteur Jan van Rossem kokuratierten und Designerin Patricia Urquiola inszenierten Ausstellung.

„O’Clock“, Triennale, Mailand, ab 11.10.2011, triennale.org