La Vie en Fleurs Bunte Wohnwelt mit Stil & Gefühl

Viele Jahre war Comtesse Joy de Rohan Chabot ein Star der Pariser Gesellschaft. Heute widmet sie sich ganz ihrer Kunst: Blumen, Blätter, Schmetterlinge sind die Sujets ihrer Gemälde und Skulpturen. In ihrem Haus in Paris bilden sie mit Erbstücken und opulent gemusterten Stoffen einen märchenhaften Kosmos.

Laute Rockmusik schallt aus dem Haus in den kleinen Garten. Die Hausherrin trägt Arbeitskleidung und entschuldigt sich sogleich dafür. „Ich muss einen Entwurf abgeben und bin verspätet“, sagt Joy de Rohan Chabot und bittet in ihr Atelier. Hier wachsen wilder Wein und Eukalyptus die Wände empor bis zum gläsernen Dach, es riecht nach Ölfarbe und Terpentin. Die Künstlerin stellt das Radio ab. „Ruhe macht mich nervös“, erklärt sie. „Ich brauche Musik beim Arbeiten, um nicht zu viel nachzudenken.“ Ihre schlanken Hände funkeln gold- und silberfarben, wie die Zeichnung eines Maiglöckchens auf dem groben Werktisch. „Das ist die Vorlage für ein Aluminiumobjekt, das ich für ein Pariser Modehaus mache. Mehr darf ich nicht verraten.“ Wer sich in der Mode auskennt, weiß, dass das Maiglöckchen ein immer wiederkehrendes Motiv bei Christian Dior ist.

In den 1960er- und 70er-Jahren war Joy Comtesse de Rohan Chabot ein Liebling der Pariser Gesellschaft. Sie trug Haute-Couture-Kleider von Jean Patou und Dior, tanzte die Nächte auf Bällen durch, wurde zweimal zur elegantesten Frau der Welt gewählt und von Starfotografen wie David Bailey oder Jean loup Sieff abgelichtet. Nur eine Fotoserie von Helmut Newton für die US-Vogue hat ihr Mann nicht zum Abdruck freigegeben. Jean Louis Marie Pierre Comte de Rohan Chabot stammt aus einer der ältesten Adelsfamilien in Frankreich. „Er fand die Bilder zu gewagt für eine zweifache Mutter. Obwohl kaum Haut zu sehen war.“ Joy de Rohan Chabot lacht. „Das mondäne Leben damals war sehr amüsant, aber für mich als Künstlerin verlorene Zeit.“ Seit gut 25 Jahren, seit ihre beiden Söhne erwachsen sind, lebt sie ausschließlich für ihre Arbeit. „Ich brauche keine Haute Couture mehr!“

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Autor:
Eva Müller-May
Fotograf:
Jonas Unger