Offene Raumgestaltung Eine Wohnung wie ein Loft

Offen und beschützend zugleich sollte die Zweitwohnung eines Turiners in Paris sein. Der Architekt Andrea Marcante stellte eine Box mit Bad und Küche hinein, die Schlaf- und Wohnbereich verbindet. Inspiriert hat ihn ein Märchen.

Raumsituation Wohnung Paris

Die rote Box öffnet sich zum Wohnbereich mit einem Küchentresen. Die Schiebetür daneben verschließt entweder das Zimmer der Tochter – oder den Schrank.

Die Lage

Wo Paris besonders pariserisch ist

„Wir lieben diese Stadt!“, sagt der italienische Unternehmer Marco Lobina, 46. Er lebt und arbeitet in Turin, doch er meint Paris. Hier ist er oft mit seiner Frau Isabella Errani und der 17-jährigen Tochter Virginia, und für sein Unternehmen, das harzhaltige Wand- und Bodenfarben herstellt, hat er sogar einen Showroom in der französischen Metropole eingerichtet. Also wünschte sich die Familie ein Pied-à-terre und fand es im Marais. Das historische Viertel hinter dem Rathaus mit seinen engen Straßen und alten Adelspalästen entging Baron Haussmanns Modernisierungsmaßnahmen im 19. Jahrhundert und gilt heute vielen als Inbegriff dessen, was typisch pariserisch ist. Etwas abgelegen von den vielen Lokalen und Galerien der Gegend, befindet sich in einer schmalen, kurzen Straße in einem Wohngebäude aus dem 19. Jahrhundert – Hinterhaus, vierter Stock, kein Aufzug (wie so oft in Paris) – das Appartement der Familie Lobina. „Eigentlich suchten wir nach etwas Kleinerem, einem Studio, aber als wir dann diese Wohnung besichtigten, war ich sicher: Das ist die richtige“, erinnert sich der Unternehmer. Was er sah, war gewissermaßen ein einziger 60 Quadratmeter großer, lichtdurchfluteter Raum: Die Stuckverzierungen an den Decken und die Holzböden hatte man erhalten, jedoch alle Zwischenwände sowie Bad und Küche herausgerissen. Sämtliche Wohnungen im Haus standen zum Verkauf und waren so entkernt worden, um potenziellen Käufern den Umbau zu erleichtern.

Raumsituation Wohnung Paris

Bank und Tisch haben Rollen, sind leicht zu verschieben.

Der Wunsch

Loftcharakter mit Rückzugsmöglichkeiten

Der Bauherr stellte viele, auf den ersten Blick widersprüchliche Erwartungen an den Umbau. „Eine Zweitwohnung sollte immer heiter und farbig sein“, fand er. Was noch an alter Substanz vorhanden war, wollte er möglichst erhalten. Zugleich aber wünschte er sich, dass das Appartement, gerade weil es so klein ist, eine Art Loftcharakter annahm – „aber Bad, Küche und zwei separate Schlafzimmer“ sollte es dennoch geben. Kurz: Marco Lobina wollte einen offenen, luftigen Raum und doch getrennte Bereiche – eigentlich die Quadratur des Kreises. Aber er hatte ja Andrea Marcante.

 

Schlagworte:
Autor:
Cecilia Fabiani
Fotograf:
Christoph Theurer