Reduziertes Traumhaus mit einer Menge Ausblick Haus mit Aussicht

Im idyllischen Hohenlohe wünschte sich eine junge Familie, mit der Natur zu wohnen. Anna Philipp holte sie ihr ins Haus. Ihr Entwurf feiert die Landschaft mit Transparenz – und behauptet sich mit radikaler Reduktion.

DIE LAGE: in lieblicher Umgebung

„Idyllisch und voller Poesie“ sei die Hohenloher Landschaft, schrieb einst Eduard Mörike. Wer den Blick von den Wohnräumen des Hauses Philipp über die Baumwipfel am Hang hinweg in die Ebene schweifen lässt, wird verstehen, was der schwäbische Dichter meinte. Wie ein Muster breiten sich Wiesen und Felder bis zum Horizont aus, durchschnitten von Flussläufen und grünen Tälern, getupft von roten Dächern und belebt von einem Zug, der irgendwo in der Ferne vorbeifährt. 80 Kilometer weit kann man sehen, und „wenn eine Gewitterfront aufzieht, ist das ein wunderbares Schauspiel“, sagt Christopher Philipp. Er führt mit seiner Schwester Anna das Büro Philipp Architekten in Untermünkheim nahe Schwäbisch-Hall. Als Betriebswirtschaftler ist er für die Organisation und Verwaltung zuständig, sie, die Architektin, für die Entwürfe. Das Haus, das sie 2005 für ihren Bruder, seine Frau und die vier Kinder entwarf, liegt auf einem Bergrücken in dem kleinen württembergischen Ort Waldenburg. Es zelebriert das Panorama und nutzt die Landschaft zugleich selbstbewusst als Wohnqualität – dank einer Architektur, die bis ins Detail reduziert und dennoch tauglich für den Alltag in einer großen Familie ist.

DIE IDEE: maximale Transparenz

„Die erste Vorgabe ist der Ort, die zweite sind die Menschen“, erklärt Anna Philipp den Prozess ihrer Entwürfe. „Das Haus soll wie ihre zweite Haut sein.“ Die Bauherren hatten sich angesichts des überwältigenden Panoramas gewünscht, mit der Natur zu wohnen, und die Architektin ersann eine konsequent transparente Lösung: eine puristische, mehr als 300 Quadratmeter große Villa, deren Erdgeschoss nahezu rundherum verglast ist. Möglich wird das, weil ein mittig ins Esszimmer gestellter, mit Ulmenholz verkleideter Quader für das statische Gleichgewicht sorgt. Darin verbergen sich die Küche, das Gäste-WC, die Treppe ins Obergeschoss – und ein Betonkern mit Stahlträgern, der die Decke stützt und die Auskragung des Obergeschosses möglich macht. Sonst dienen als tragende Elemente nur noch eine Wand zwischen dem Ess- und Wohnzimmer und zwei schmale Stahlstützen, die eine Schiebetür zum Garten flankieren. Durch die rahmenlosen Fensterfronten geht der Blick in alle Himmelsrichtungen, und je nach Tageszeit und Wetter werden die Räume in unterschiedliche Stimmungen getaucht. „Obwohl man im Haus ist, lebt man immer auch draußen“, sagt die Hausherrin Eva Philipp. Küche und Esstisch bilden den Mittelpunkt im Erdgeschoss, das Wohnzimmer in einem nordwestseitig vorgelagerten Flachdachbau ergänzt den Raum zu einem Kontinuum, das sich immer wieder in neuen Perspektiven zur Landschaft öffnet. Vier Terrassen, mal überdacht, mal tiefergelegt, dann ebenerdig oder durch ein schmales Wasserbassin begrenzt, erweitern die Wohnfläche nach draußen.

Autor:
Sandra Hofmeister
Fotograf:
Oliver Schuster, Victor S. Brigola