Frei für Kunst Moderne Pariser Wohnung

Je extremer, desto besser – so wünschte sich ein IT-Spezialist und Sammler den Umbau seiner Pariser Beletage. Das Architekten-Duo Boma stellte in jeden Raum eine zentrale Box – und ließ die Wände frei für Kunst.

Wohnzimmer

DIE LAGE Ein historisches Gebäude im Herzen von Paris

Mitten im Pariser Stadtviertel Marais liegt das „Hôtel du Pille“, ein Stadtpalais aus dem 17. Jahrhundert. Es war einst Sitz adeliger Finanziers, beherbergte später ein Schneideratelier, blieb, wie das ganze Viertel, im 19. Jahrhundert vom Abrisseifer Baron Haussmanns verschont und wurde später saniert. Vor acht Jahren richtete der renommierte Galerist Emmanuel Perrotin im Hofgebäude seine Räume ein. Die Beletage ließ sich ein junger IT-Spezialist neu gestalten. Die Architekten: Pauline Manser und François-Xavier Bourgeois, die in Paris das Büro Boma führen.

DIE VORGABEN Je moderner, desto besser

Es klingt paradox. „Der Bauherr hatte zuvor in einem sehr klassischen, bürgerlichen Appartement gewohnt, mit Parkett, Stuck und Marmorkaminen. Nun wünschte er für seine Sammlung von Gegenwartskunst einen zeitgenössischen Rahmen und für sich selbst ein neues Lebensgefühl“, sagt Pauline Manser. „Je extremer, desto besser, war sein Credo.“ Dass er sich dafür ausgerechnet die erste Etage eines mehr als 300 Jahre alten Stadtpalais aussuchte, lag an der Großzügigkeit der Räume. „Gut 320 Quadratmeter Wohnfläche, dazu eine Deckenhöhe von 4,30 Meter – das sind ideale Bedingungen, um Fotografien, Videoinstallationen und großformatige Gemälde zu zeigen“, erklärt François-Xavier Bourgeois. Auch waren die Denkmalschutzbestimmungen nicht streng. Außen war einzig die imposante Freitreppe im Hof geschützt, in der Beletage selbst erwiesen sich nur die Fenster und eine Stuckleiste in einem der Räume als erhaltenswert. Das ließ den Architekten viel Handlungsspielraum. Der Bauherr hatte nur eine Bedingung: Alle Wandflächen sollten frei bleiben – für seine Kunst.

Duschbad
Im Gästezimmer steckt ein Duschbad in der Box, die auch das Kopfende des Bettes bildet.
DER RÜCKBAU Die alte Dynamik wiederherstellen

Über die Jahrzehnte waren in dem einstigen Schneideratelier Zwischenwände eingezogen und Decken abgehängt worden. Die Architekten stellten den originalen Grundriss wieder her, um die Dynamik der Raumfolge spürbar zu machen: kaum Flure, stattdessen gingen die sechs Zimmer ineinander über, alle zwischen 30 und 50 Quadratmeter groß. Es war perfekt, warum sollte man es verändern? „Modernität bedeutet nicht, aus drei Räumen einen zu machen“, sagt Pauline Manser. Rasch einigten sich Bauherr und Architekten auf die Funktionen der Zimmer. Im Uhrzeigersinn wurden geplant: Entree, Küche, Salon, Schlafzimmer des Hausherrn mit großem Bad, Gästezimmer und ein Büro, das auch als Musikzimmer dient. Betont wird das Ineinanderfließen der Räume auch durch den Bodenbelag: Statt der alten mit Auslegeware beklebten Holzdielen, die sie herausrissen, ließen die Architekten die Böden mit Beton-Estrich und darüber einem stark glänzenden hellgrauen Epoxidharz ausgießen. Der ist auch robust genug für die Feste des Hausherren. „Er liebt Partys und tanzt sehr gern“, erklärt François-Xavier Bourgeois.

Autor:
Eva Müller-May
Fotograf:
Christoph Theurer