Raumkonzepte Modernes Zuhause im alten Gehöft

Der Stall eines alten Gehöfts am Niederrhein sollte Wohnhaus werden: von außen möglichst unauffällig, von innen umso radikaler. Susann Schürmann gelang beides: mit heimischen Materialien und einem Einschnitt ins Gebäude.

Die Aufgabe

Eine Form für viele Facetten

Jedes Haus erzählt eine Geschichte, aber nicht immer ist die Geschichte einfach. Manchmal, wie bei diesem Umbau am Niederrhein, muss man es aus verschiedenen Perspektiven betrachten, um seine Facetten zu erkennen. Rein architektonisch kann das Haus, dessen Ausbau die Architektin Susann Schürmann in den Ausläufern einer Mittelstadt übernahm, als die Umwidmung zweier Ställe zu einem Wohnhaus mit Bürotrakt beschrieben werden. Sozialgeschichtlich berichtet das Haus von dem Aufstieg einer Bauernfamilie zu erfolgreichen Unternehmern. Und es steht, soziologisch betrachtet, für familiären Zusammenhalt und die feine Organisation von Nähe und Distanz innerhalb einer großen Familie. All das sollte in eine zeitgemäße und zugleich ortsspezifische Form gebracht werden.

Die Umgebung

Malerisch und unter Landschaftsschutz

Das Vieh muss es hier einmal gut gehabt haben: Die Ställe hatten Blick auf eine Flusssenke, auf Streuobstwiesen und großzügige Weiden. Und schon die Anfahrt ist beeindruckend: Sie führt über eine Allee alter Linden. Wohl dem, der hier ein Haus hat, auch wenn es eben noch als Stall daherkam. Dessen Wandel zum Wohnhaus durfte nicht einmal zu radikal ausfallen, denn die Schönheit des historischen Hofes und seiner Lage sind kein Zufall, sondern auch Produkt des Landschaftsschutzes, unter dem Haus wie Ställe stehen. Die Silhouette des kleinen Anwesens – es besteht aus insgesamt vier Gebäudeteilen, von denen das älteste 200 Jahre alt ist, das jüngste, der Kuhstall, von 1930 – musste folglich erhalten bleiben, genau wie seine Materialität. Es waren Vorgaben, denen sich Bauherren und Architektin gerne unterwarfen.

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Autor:
Christian Tröster
Fotograf:
Marc Seelen