Wandgestaltung Wohnen mit Farbe

Sie bestimmt, wie wir Dinge wahrnehmen und wie wir uns fühlen. Räumen verleiht sie Persönlichkeit, Temperatur und Größe. Damit das gelingt, sollte man Farbe komponieren wie ein Musikstück.

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Wandgestaltung

Zur Beruhigung: Gibt es in einem Raum verschiedene Farben, sollte eine Wand, nebst vorstehenden Heizkörpern oder Rohren, in einem Ton gehalten sein. Hier sorgt Violett für Ruhe, das Decken-Blau wurde über die Raumkanten gezogen.

1. Farbe und Kultur

Keine Angst vor Rot-Gelb-Blau

Wer nach dem Urlaub in südlichen Ländern nach Deutschland zurückkommt, stellt sich oft die Frage: Warum gibt es bei uns denn so viele schwarz gekleidete Menschen in weiß getünchten Räumen? Warum gehen andere mit Farbe so viel mutiger um? Funktioniert das Limonengrün und Pink, das indische Fassaden selbst im fahlen Licht der Leuchtröhren noch fröhlich aussehen lässt, auch in einer Küche in Hamburg? Lässt sich das Knallgelb oder Himmelblau des großen Architekten Luis Barragán aus Mexiko nach München holen? Oder verhält es sich mit Farbe so wie mit dem Dessertwein, der im Italienurlaub köstlich war, zu Hause aber fade schmeckt und nun in der Hausbar einstaubt?

„Uns ist die Kultur der Farbe im Zweiten Weltkrieg verloren gegangen“, glaubt der Hamburger Interior Designer Peter Nolden. „Danach hat man schnell und billig gebaut, die schlecht verputzten Wände mit Raufasertapete beklebt und weiß gestrichen. Schauen Sie mal nach England! Dort finden Sie weder Raufaser noch weiße Wände.“ Dabei gibt es auch in Deutschland eine Tradition für farbige Innenräume. Bayerische Barockkirchen und preußische Villen sind innen mit zarten Tönen bespielt. Bauhaus- Architekten setzten Farbe ein, um die räumliche Tiefe ihrer Gebäude zu betonen. Bruno Taut bemalte die Fassaden der Berliner Gartenvorstadt so bunt, dass sie den Spitznamen „Kolonie Tusch kasten“ trug. Und Le Corbusier gestaltete die Außenwände seiner Häuser in der Stuttgarter Siedlung am Weißenhof in Rosa- und Blautönen, während die Innenräume rosé, englischrot, hellblau und schokoladenbraun gestrichen wurden. Und auch in den 70er-Jahren unternahm das deutsche Wohnzimmer Ausflüge in Gelb, Orange und Braun.

Farbgestaltung

Geometrische Teilflächen, hier in Gelb und Orange auf Hellgrau sorgt für Spannung. Sie verwandeln Wohnräume in ein begehbares abstraktes Kunstwerk.

Seither regiert Weiß – und immer noch bevorzugt auf Raufaser. Für Peter Nolden ist das ein Grauen. Er ließ sich von englischen, skandinavischen und preußischen Landsitzen zu einer eigenen Farben-Kollektion inspirieren. Aber auch seinen Kunden fällt es nicht immer leicht, sich von ihren weißen Wänden zu trennen. „Die meisten wollen nur eine Wand streichen“, erzählt Nolden. „Ich versuche dann, ihnen Mut zu machen, doch den ganzen Raum zu verändern. Wer sich einmal von Weiß verabschiedet hat, will nie mehr zurück.“

Autor:
Dorothea Sundergeld
Fotograf:
Kumicak + Namslau