Sehen und gesehen werden: Wohnung an der Hamburger Elbchaussee

Mit den großen Pötten auf Augenhöhe sein wollte ein Ehepaar in seiner Neubauwohnung an der Hamburger Elbchaussee. Der Architekt ersann einen diagonalen Grundriss, der aus fast jedem Raum Blick auf den Hafen bietet.

Garten

Die Umgebung

Logenplatz in Hanglage

Wer sich Hamburg von Westen her nähert – ob im Flugzeug oder an Bord einer Fähre –, nimmt unwillkürlich die Perlenkette von Villen in den Blick, die den Elbhang säumen. Das Apartment befindet sich in einem viergeschossigen Neubau fast am Ende dieser Schnur. Der Strom ist dort zwar nicht so mississippiartig breit wie etwas weiter elbabwärts, dafür bietet sich vor dem Gebäude ein besonderes Schauspiel: Gegenüber, an der Einfahrt in den Parkhafen, werden die Hochseeschiffe gewendet. Das Sehen-und-gesehen-Werden spielt sich hier etwas anders ab als sonst in derart herausgehobener Wohnlage. „Wir sind mit den Kapitänen auf Augenhöhe“, sagt die Hausherrin. „Die winken uns schon mal zu.“ Fußgänger hingegen können nicht hineinsehen, weder von der höher gelegenen Chaussee noch vom Weg unten am Strand.

Rustikale Eckbank

Die rustikale Eckbank nebst Tisch entwarf der Architekt als Kontrast zum übrigen, dezent modernen Interieur.

Das Haus

Populärer Neoklassizismus

Für Michael Lohrmann und seine Frau Marion Lößner gab die ungewöhnliche Mittellage am Hang den Ausschlag, hier vor drei Jahren ihr Hamburger Pied-à-terre zu planen. Das Gebäude selbst, damals noch nicht bezugsfertig, begeisterte das Unternehmerpaar aus Wiesbaden jedoch durchaus nicht in allen Details. Es ist in jenem populären Stil gehalten, den man „Neoklassizismus ohne Keller“ nennen könnte: hohe Decken, breite Fenster, ebenerdiger Zugang zum Garten, angedeutete Säulen, alles in Weiß und nicht sonderlich subtil. „Nur diese eine Wohnung im Erdgeschoss war noch frei“, erinnert sich Michael Lohrmann. „Aber wir hätten gar keine andere gewollt. Man schwebt hier nicht komplett über dem Fluss wie in den Häusern oben an der Geestkante. Von hier bekommt man das Flirren und die Farben des Wassers mit.“ Ein weiterer Pluspunkt: der schmale terrassierte Garten, zu dem keiner der Nachbarn einen Zugang hat.

Schlafzimmer

Über dem Bett im Schlafzimmer sieht man die Öffnung zum Bad, die Fronten des Schranks sind mit Pergament aus Ziegenhaut bezogen.

Die Idee

Durchdacht wie eine Hotelsuite

Auch berufsbedingt sind die Besitzer viel auf Reisen und wohnen in hochrangigen Hotels. „Was uns dort fasziniert, ist die Ausnutzung des Raums und die Perfektion“, sagt Michael Lohrmann. Also suchte man gezielt nach einem Architekten mit einschlägiger Erfahrung. Das Büro Korb aus Hamburg bekam den Auftrag. Eine der wichtigsten Aufgaben für den Innenarchitekten Stefan Trompeter, derzeit einer der Projektleiter beim Umbau des Hotels Atlantic, bestand darin, eine Matrix von Wandschränken für die 180-Quadratmeter-Wohnung zu schaffen. Denn, so der Hausherr: „Am Ende sollten nur noch ganz wenige Einzelmöbel hinzukommen. Alles andere sollte möglichst eingebaut sein.“ Eine zweite Prämisse erwies sich als noch anspruchsvoller: In allen Räumen des Wohnbereichs – und dazu zählt das Paar auch Schlafzimmer und Bad – sollte man die Elbe im Blick haben. „Das stand in Widerspruch zur Planung des Bauträgers“, sagt Stefan Trompeter. „Die nämlich sah vor, dass der größte Teil des Apartments als riesiges Wohnzimmer genutzt wird. Entsprechend waren Küche, Bad und Schlafbereich in den hangseitigen Teil verbannt.“ Zum Glück fielen die wichtigsten Entscheidungen für das geänderte Konzept zu einem relativ frühen Zeitpunkt, sodass sich aufwendige Rückbauten in Grenzen hielten.

Seite 1 : Wohnung an der Hamburger Elbchaussee
Autor:
Reinhard Krause
Fotograf:
Volker Wenziawski