Uhren
Max Bill Reloaded
"Aber da ich schon eine Zeichnung meiner ,Idealuhr‘ irgendwo in der Schublade hatte, erklärte ich dem freundlichen Besucher, dass ich mit größtem Vergnügen für ihn Uhren machen würde, aber ganz andere. Keine ,Schmuckuhren‘, keine temporären Saisonblümchen. Im Gegenteil: Uhren, so weit wie möglich entfernt von jeder Mode. So zeitlos, wie das eben gehen würde, ohne die Zeit zu vergessen …“ Max Bill liebte die klare Ansage. Wie er überhaupt die Klarheit, Präzision liebte. Und deshalb erinnert sich der große Gestalter 1963 auf jene besondere Art und Weise an die ersten Anbandlungsversuche eines Abgesandten einer Uhrenmanufaktur. Schon ein wenig spöttisch und mit dem Selbstbewusstsein des Wissenden; einem, der weiß, was gutes Design ist.
Junghans erwähnt er dabei nicht. Der Name fällt nicht ein einziges Mal in seinem Text, obwohl Max Bills radikal saisonblümchenfreie Zeitmesser für die Manufaktur aus dem Schwarzwald zu jenem Zeitpunkt schon eine Erfolgsgeschichte geschrieben hatten. Für Nebenschauplätze war eben keine Zeit. Ein Universaltalent als Bildhauer, Maler, Grafiker, Architekt und Produktgestalter sowie als Mitbegründer und Direktor der Hochschule für Gestaltung in Ulm, die nach 1945 das Erbe des Bauhaus antreten sollte – so einer erklärt dann auch in demselben Aufsatz für die „Süddeutsche Zeitung“: „Im klassischen Land der Uhren, in der Schweiz, fand ich nur mit Mühen etwas Neues, das mich annähernd befriedigte.“
Ein paar ganz teure Uhren, etwa von Vacheron & Constantin, Audemars oder Piquet, konnten den hohen ästhetischen Maßstäben noch standhalten, aber sie waren nicht „demokratisch“, will heißen: ebenso gut in Form wie im Preis – eine Maxime der Bauhaus-Jünger, die ihren Erziehungsauftrag hin zu besserem Geschmack im Alltag ernst nahmen. „Ja“, sagt Volker Fuchs, der verantwortliche Designer für die neu aufgelegte „Max Bill by Junghans“-Kollektion, „es ist tatsächlich viel schwieriger, ein so enorm ausgefeiltes und reduziertes Design zu aktualisieren, als eine ganz neue Uhr zu entwerfen. Trotzdem darf man bei aller Werktreue nicht vergessen, dass Max Bill selbst nicht nur die eine Uhr zuließ, sondern von Beginn an auch Modellvariationen für Junghans entwarf.“