Schmuck Porzellan - Weisses Gold

Glanz und Gloria: Das Meissen auf der Messe Baselworld 2011 eine Schmucklinie präsentierte, galt als Sensation. Dabei hat Sachsens Porzellan-Manufaktur auch darin eine über 230 Jahre alte Tradition.

Der weiße Mops ist uralt. Gute 250 Jahre hater auf dem Buckel, trotzdem glänzt sein speckiger Rücken wie in Welpentagen, und dieschwarze Plattnase fühlt sich kalt und glattan. Der liegende Hund mit dem royalblauen Halsband ist der Urmops unter all den Formen und Modellen, die sich im Laufe von 300 Jahren Porzellan-Manufaktur Meissen angesammelt haben. Ein ungeheurer Schatz. Joachim Kaendler (1706–1775), der virtuose Bildhauer im Dienste des sächsischen Kurfürsten August des Starken, war des Mopses Schöpfer. Neben anderen Großartigkeitenformte Kaendler fast 90 Spielarten des Schoßhundes der feinen Damen, der sich so zu einer Galionsfigur für das Kunsthandwerkshaus aus Sachsen gemausert hat. Auch im jüngsten Kapitel der Firmengeschichte Meissen (1710 gegründet und damit eine der ältesten Marken der Welt –und immer noch in Königs- bzw. Landesvaterhand) spielt das niedliche Geschöpf wieder eine bedeutende Rolle. Heute hängt es als fein bemaltes Porzellanfigürchen, verziert mit Diamant und Roségold-Ösen am Halsband, am Hals vonjungen Damen und auch modemutigen älteren Herren.

Der Mops rangiert nun unter der Bezeichnung „Charm“, was die trendige Bezeichnung für Anhänger ist, und markiert einen neuen Meissen-Zweig, der im Frühjahr dieses Jahres auf der Schmuckmesse Baselworld für Aufsehen sorgte. Begeistert kommentiert wurden Ringe und Ketten, deren dekorativer Grund die kunstfeine Porzellanmalerei bildet – mit Blüten-, Landschafts- oder dem legendären Drachenmotiv –, versiegelt mit einem klaren Amethyst oder Bergkristall. Anhänger in Montgolfière-Form tragen im Gold- und Diamantgitternetz eine bemalte Porzellankugel; Ohrringe, Colliers, Armbänder und Manschettenknöpfe die gekreuzten Schwerter, das berühmte Meissen-Signet. Es ist ungewöhnlicher, überraschender Schmuck, beinahe wild im barocken Lustgefühl und dabei intelligent in die Moderne geführt. „Jedes Schmuckstück beinhaltet etwas Traditionelles und etwas Modernes“, sagt Ornella Pasquetti ,Designerin der „Meissen Joaillerie“ mit insgesamt 123 verschiedenen Modellen, die zwischen 1000 und 40000 Euro kosten. Neben dem großen Motivfundus der Porzellan-Manufaktur, erklärt die Mailänderin, sei keine zusätzliche Inspiration nötig gewesen. Aus 700000 Formen und Modellen, unzähligen künstlerischen Vorlagen und 10000 geheimen Farbrezepturen brauche sie nur zu schöpfen.

Autor:
Barbara Kraus