Zauberer schmucker Kunst Schmuckkünstler Otto Jakob

Zauberer schmucker Kunst: Otto Jakob gilt international als einer der ungewöhnlichsten und besten Schmuckkünstler. Seine magischen Stücke sollen nicht nur gefallen, sondern wollen begehrt werden.

Obsessive Lust am Ornament, am Tabubruch, an Sinnlichkeit und Symbolik. Dieser Schmuck ist wie ein Ritt querfeldein durch Völker- und Kulturgeschichte, ist reich an Bocksprüngen über Provokation und Anspruch, um endlich zu landen bei außergewöhnlicher Schönheit. Schauen Sie sich doch „Owen“ von Otto Jakob an, diesen Anhänger aus ineinander verschlungenen Schlangenvögeln. Ein Kleinod in sattem Roségold, guillochiert, will heißen: mit ins Edelmetall handgestochenen geometrischen Formen, mehrfach emailliert und durch alte Rubine aus Burma zum listigen Funkeln der Vogelaugen gebracht.

Wenn man weiß, dass in „Popol Vuh“, dem heiligen Buch der Mayas, Vögel und Schlangen als die sexuellen Schöpfer des Universums gelten, dann offenbart „Owen“, was er ist: die Reinkarnation magischer Verführung.

An einem Spätsommertag in Karlsruhe bei dem Schmuckkünstler, der zu den Eigenwilligsten seines Faches gehört, zu den Besten. Vom Balkon der Jugendstilvilla winken keine Geranien, keine Astern. Mächtige Sukkulenten aus Madagaskar lassen sich hier die Sonne auf ihre dickholzigen Leiber scheinen. Der Hausherr liebt die knorzigen Gestalten, die Kakteen mit dem spärlichen Blatthaar. Liebt sie wie das zartgliedrige Maiglöckchen oder das winzige Geweih eines Hirschkäfers.

Überhaupt: Otto Jakob liebt das Konträre wie die Übersteigerung. Der Mann mit den sehr großen und vom Schmieden, Fräsen, Sägen, Löten sehr verwundeten Händen deutet auf sein übermannsgroßes Porträt im Salon des Atelierhauses an der Weinbrennerstraße. Malerfürst Jörg Immendorff hat das Bild – als Verbeugung vor Jakobs bildhauerischem Können – in Gold, Silber und Edelstein realisiert: der Schmuckkünstler mit einer geflügelten Hand, die golden glüht. Wie Baselitz, Lüpertz und andere große Künstler hat Immendorff die aussagekräftigen Ringe getragen, der Kunsthändler Hans Neuendorf erwarb einen Großteil des Frühwerks und bedeutende Galerien wie Colnaghi in London und Daniel Blau in München zeigen Otto Jakobs Amulette, Colliers und Ringe. Auf der „Tefaf“ in Maastricht, der größten Kunstmesse der Welt, werden sie ausgestellt und gehandelt.

Autor:
Barbara Kraus
Fotograf:
Beatrice Frehn, Hans Hansen, Johanna Jakob, Otto Jakob, Tamara Imbriani, Volker Kirschner