Kabinettstück aus Amsterdam Apartment in Schwarz-Weiß

Kleine Zimmer, große Wirkung: Der holländische Stylist San Ming kleidete sein kleines Apartment komplett mit Holztäfelungen in Schwarz und Weiß aus. Sie halten die Räume im Fluss, suggerieren Weite und lenken den Blick zugleich auf die Objekte in den eingeschnittenen Nischen – eine perfekte Inszenierung.

Die Räume machen erst einmal ratlos.Wo bin ich hier, fragt man sich als Besucher unwillkürlich. Tatsächlich in Amsterdam? Oder doch eher in China, vielleicht auch an der Park Avenue? Ist das eine Wohnung oder eine Galerie? Und stammt sie aus dem letzten Jahrhundert oder ganz aus der Gegenwart? Unmöglich, dieses sparsam möblierte Ambiente mit wenig Farbe, aber viel Lack in Schwarz und Weiß, diese kleinen Räume mit großer Wirkung auf einen Stil, Ort, eine Epoche festzulegen.

Der Besitzer hat ein kleines Lächeln um die Mundwinkel, die Reaktion kennt er schon. San Ming, Holländer mit chinesischen Wurzeln, Stylist, Künstler und Ästhet, lebt in einer individuellen Mischung aus Askese und Luxus, inszeniert in seinem Apartment in Amsterdam. Nach zehn Jahren in New York, in denen er als Stylist für berühmte Fotografen wie Herb Ritts und Richard Avedon gearbeitet hatte, kehrte er in den Achtzigern in seine Heimat zurück und entdeckte im feinen Stadtteil Amsterdam Zuid diese Wohnung. Sie ist 80 Quadratmeter groß und liegt in einem Haus aus den 1920er-Jahren, das in den Sechzigern umgebaut wurde und mittlerweile unter Denkmalschutz steht.

„Alle meine Freunde wohnen an den Grachten“, sagt San Ming – also im historischen Zentrum aus dem 17. Jahrhundert. „Aber ich bleibe hier.“ Das Haus und der ungewöhnliche Grundriss entsprechen genau seinen Vorstellungen vom idealen Wohnen. Die Architektur des Gebäudes sei anonym, es dränge sich nicht auf, obwohl der Bau eine interessante Geschichte habe, findet er. Als es errichtet wurde, war es das erste Haus in der Stadt mit Zentralheizung. Die Räume in den Wohnungen sind um eine zentrale Halle herum angeordnet und waren alle nahezu gleich groß. So musste sich Ming bei keinem der ursprünglich vier Zimmer auf eine Nutzung festlegen: In einem schläft er, zwei legte er zusammen, verband sie mit dem letzten durch einen breiten Durchgang und nutzt alle zusammen flexibel mal als Wohn-, Ess- oder Arbeitsraum.

 

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Autor:
Sabine Wesemann
Fotograf:
Christian Burmester