Werner Aisslinger Bauernhaus an der Adria

Werner Aisslinger ist bekannt für reduzierte Möbelkreationen und den „Loftcube“, eine mobile Wohnbox. Sein Bauernhaus an der Adria in Süditalien erklärte er jedoch zur (fast) designfreien Zone. Hier zählen nur der Ausblick auf den Olivenhain, die Sommertage auf den drei Terrassen – und selbstgemachte Pasta.

Die Anfahrtsskizze sieht aus wie eine Schatzkarte: zuerst über die Eisenbahnbrücke, dann am Schrottplatz rechts und schließlich, sobald man die weißen Punkte auf dem Stamm einer alten Olive entdeckt, scharf links. Den Plan gezeichnet hat der renommierte deutsche Designer Werner Aisslinger – „weil ich in Apulien nicht so einfach zu finden bin wie in Berlin“. Damit hat er recht: Denn hier im Hinterland der apulischen Küste, zwischen Bari, Brindisi und dem weißen Städtchen Ostuni, fehlen Straßennamen und Hinweisschilder. Stattdessen schrauben sich weit und breit Olivenbäume aus der Erde, von aufgepinselten Kreisen jedoch keine Spur. Erst nach ziellosem Umherirren zwischen kilometerlangen Trockenmauern tauchen sie plötzlich auf. Und ganz in der Nähe, auf einer Anhöhe hinter einer großen Kaktusfeige mit überreifen Früchten, steht tatsächlich die „Masciola“: Werner Aisslingers mehr als 150 Jahre altes Sommerhaus, auf einem gut 1000 Quadratmeter großen Feldgrundstück und nicht einmal fünf Kilometer vom Meer entfernt.

Vor drei Jahren kauften er und seine Frau Nicola Bramigk, Modedesignerin und Herausgeberin des Online-Reiseführers Smart Travelling, das kleine Bauerngehöft. Damals überzeugte sie vor allem der freie Blick vom Dach des Hauses bis zum Meer und die hohen Räume, die sich zum Einbau großer Fenster und Türen eigneten – Kriterien, die wegen der parmesanlaibdicken Mauern und engen Grundrisse typisch apulischer Bauten nicht oft erfüllt werden. „Sich viel Licht herein - zuholen, war bei diesem Haus kein Thema“, sagt der Designer. Als ers - te Maßnahme durchbrachen sie die Ostwand. Angebaut wurden zwei Kinder- und Gästezimmer mit einem „Limonaio“ davor, einem Mini- Patio, in dem, gleich neben der Außendusche, ein Zitronenbäumchen wächst.

Werner Aisslinger

"Hier ist es so exotisch, dass man gleich aus dem Alltag gerissen wird."

Gegenüber, an der Westfassade, trieben sie ebenfalls eine Öffnung in die Mauer, setzten Flügeltüren ein und legten eine Terrasse mit Blick auf eine mächtige Olive an, die, so behauptet jedenfalls der benachbarte Bauer, schon 1000 Jahre auf dem knorrigen Buckel hat. Auch die Außenwand des Schlafzimmers in der ersten Etage musste weichen und wurde durch Fenster ersetzt. „Die ambulante Planung während der begonnenen Sanierung war nötig“, erklärt Werner Aisslinger. „Erst durch den so gewonnenen knappen halben Meter passt ein Bett in den Raum.“ Darüber erhebt sich eine Gewölbedecke in Sternenform, die auf schnörkellosen Kapitellen ruht. Auf der Dachterrasse tritt diese Wölbung als kleiner Hügel in Erscheinung und hilft, das Regenwasser ablaufen zu lassen.

Autor:
Camilla Péus
Fotograf:
Patricia Parinejad