Harmonisch Bauernhof mit Anbau

Selbstbewusst thront das Gebäude mit seiner Aluminiumhaut und großen Glasflächen über dem 200 Jahre alten Gemäuer. Kontrastreicher hätte der Anbau an einen alten Hof in Niederösterreich nicht ausfallen können. Damit er dennoch mit dem Bestand und der Landschaft harmoniert, haben die Wiener Architekten Carmen Wiederin und Philipp Tschofen viel Holz aufgestapelt.

Neubau

Katzensprung, Vollmondlese oder Hundsberg: Die Namen der Veltlinerweine lassen ahnen, dass es an der westlichen Weinstraße in Niederösterreich eher gemächlich zugeht. Die Landschaft, kurz vor der tschechischen Grenze und eine knappe Autostunde von Wien entfernt, ist vom Weinanbau geprägt. Die Alpen sind fern. Ganz sachte steigen die Hügel an. Die Bevölkerungsdichte ist gering, der Tourismus sanft. Wer hier mit dem Fahrrad unterwegs sei, so ist im Weinführer zu lesen, „erwartet keine wesentlichen Hindernisse, sieht man von den Verlockungen der Winzer und Heurigen am Wegesrand ab“.

Wohnraum, Essplatz, Kochstelle

Wohnraum, Essplatz, Kochstelle und eine kleine Nasszelle bietet der Anbau auf 54 Quadratmetern. Der Boden ist aus Estrich, versiegelt mit Zitrusöl, die Decke besteht aus Bootssperrholz. Die Nordwand ist innen mit Filz isoliert, der zugleich als Rückenpolster der Bank neben dem Ofen dient. Mit dem wird im Winter geheizt. Durch die Panoramascheibe schaut man auf die Obstwiese und den Badezuber.

In Fahndorf allerdings stoppen viele Radler, obwohl es in dem 180-Seelen-Ort keine Weinschenke zum Einkehren und nicht einmal Metzger oder Bäcker gibt. Doch am Ortsausgang, da blitzt hinter einem verwitterten Holztor eine große Box mit Aluminiumhülle hervor und zieht die Blicke auf sich. Das Architektenpaar Carmen Wiederin und Philipp Tschofen, die Mitbegründer des Wiener Büros „propeller z“, haben sie als Anbau an einen 200 Jahre alten Bauernhof gesetzt. Die drei bescheidenen Bestandsgebäude, Scheune mit Schweinestall, das Wohnhaus und die Tordurchfahrt, sind, so ist es Tradition in der Region, um einen Innenhof gruppiert. Die Scheune ist bis zur Traufhöhe in einen kleinen Hang eingegraben. Daneben auf dem Hügel thront der Anbau wie ein ultracooler Bungalow. Er hätte wohl die Dorfbewohner schockiert, wären nicht Holzscheite bis unters Flachdach an seiner Nordwand, zur Straße hin, gestapelt. Das sieht aus wie ein überdimensionales Kaminholzdepot, aber die Scheite kommen nicht in den Ofen. „Die Eichenholzwand ist unser Kompromiss in diesem ländlichen Kontext und ein Zugeständnis an die Nachbarn. So verstehen sie den modernen Anbau besser“, erklärt Philipp Tschofen. „Das Holz hat auch eine praktische Funktion: Es isoliert gut.“

Der Architekt gibt einem Holzstück einen Schlag, als wolle er es noch fester an die Wand drücken und geht um den Anbau zur Westseite – die ist ganz aus unbehandeltem Aluminium: „Das hat jetzt noch einen metallischen Glanz, wird aber mit der Zeit Patina bekommen, mattweiß werden“ – und sich den geweißten Lehmwänden der alten Gemäuer anpassen. Im Süden öffnet sich der Anbau dann in ganzer Breite mit einer Glasfront. So hat man aus dem gut 55 Quadratmeter großen Wohnraum mit integrierter Küche den Blick auf die Obstwiese, Getreidefelder und Rebenreihen: In dieser Idylle verbringen Philipp Tschofen, seine Frau Carmen und ihr Sohn Emil, 8, die Wochenenden.

Autor:
Eva Müller-May
Fotograf:
Christoph Theurer