Art déco Brasilianische Bewegung im Apartment

Luiz Fernando Grabowsky wollte eigentlich zum Ballett. Doch dann studierte er Architektur – und begann, Porzellantänzer des Art déco zu sammeln. Heute prägt der Stil dieser Epoche sein ganzes Apartment in Rio de Janeiro.

Wenn der große Traum ein Traum bleibt, weil man vielleicht nicht beweglich genug war oder einfach zu alt, dann gibt es immer noch Mittel und Wege, sich in diesem Traum zumindest einzurichten. Und zwar durchaus exquisit, wie das Beispiel des brasilianischen Architekten Luiz Fernando Grabowsky und seines Lebensgefährten Pedro Henrique Guimarães in Rio de Janeiro zeigt. Fernando, genannt „Nando“, Grabowsky, 51, wollte einst Tänzer werden. „Alle Ballettaufführungen in Rio habe ich mir angesehen“, erinnert er sich, „die Schönheit der Bewegungen hat mich fasziniert.“ Für kurze Zeit studierte er sogar Modern Dance, also jene Form, die Anfang der 1920er-Jahre den Tanz revolutionierte. „Aber da war ich 18, und in dem Alter ist es zu spät, um noch einen Beruf daraus zu machen.“ So entschied er sich für ein Architekturstudium, doch die Epoche seiner Träume wurden die 20er- und 30er-Jahre. Er begeisterte sich für die „goldene Ära“ Hollywoods, mit Stars wie Greta Garbo, Errol Flynn und Clark Gable, und auch für das Design und die Architektur dieser Zeit: Art déco.

Also habe er sich eine eigene Welt geschaffen, erzählt Fernando: „Ich begann, Art-déco-Figuren aus Porzellan zu sammeln. Vor allem Tänzer und Tänzerinnen.“ In 20 Jahren kamen gut 120 Stück zusammen. Außerdem Möbel, Vasen und Kleinbronzen, sowie, inspiriert durch Mel, der zur Fülle neigenden Abessinier-Katze, noch ein paar Porzellan- Katzen. Es entstand eine umfangreiche Art-déco-Kollektion, die Fernando und Pedro in ihrem Apartment zu einem Kosmos aus elegant geschwungenen Formen und kostbaren Materialien arrangierten. Auf den Konsolen, Kommoden, den Tischen und Regalen stehen die Figuren. Sie dehnen, strecken und biegen sich in leicht exaltierten Posen – wie ein Völkchen von Hausgeistern, das den Räumen Lebendigkeit verleiht. So nahm Nandos Traum doch noch eine Gestalt an.

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Autor:
Volker Corsten
Fotograf:
Patricia Parinejad