Avantgarde im Feriendomizil Chalet für die Kunst

Selbst im Skiurlaub in Aspen will ein Sammler aus Miami nicht auf seine Schätze verzichten. Das Haus, das ihm der New Yorker Interiordesigner Frank de Biasi einrichtete, offenbart hinter seiner rustikalen Tarnung ein Ambiente aus provokanter Avantgarde-Kunst und exquisitem Mobiliar – für Natur und Tiefschnee bleibt da nur eine Nebenrolle.

Von Weitem wirken die Chalets fast wie ein winziges Bergdorf. Dicht gedrängt stehen sie an einem Hang in den Rocky Mountains im Nobelskiort Aspen/Colorado – eine alpine Silhouette aus vier Giebeln. Aber aus der Nähe erkennt man, dass sich hinter dieser rustikalen Tarnung ein einziges modernes Gebäude verbirgt. Die große Architekturfirma Skidmore, Owings & Merrill, eigentlich bekannt für Wolkenkratzer wie den Sears Tower in Chicago, baute es in den 1970er-Jahren als eines ihrer ganz seltenen Wohnhäuser.

Und schon im Foyer sind dann auch alle ländlichen Assoziationen ausgelöscht. Zwei Sessel der brasilianischen Gebrüder Campana versprühen mit ihren eng in die Sitzschale gepflanzten Büscheln aus bunten Kunststoffstreifen eine verschwenderische, elektrisierende Energie – so urban, dass selbst die Schneelandschaft hinter den großen Glasscheiben kaum wirklicher erscheint als eines der gerahmten Kunstwerke, welche das Ambiente dominieren. Die riesige Schusswunde mitten im Schrank des belgisch- holländischen Designduos Studio Job zieht mit ihrem Schmauchrand das Auge mehr in Bann als die schlafende Wiese unter ihrer weißen Decke. Das Möbel selbst ist leer, aber seine Türen sind mit Bronzereliefs von Kampfflugzeugen, Maschinengewehren und Raketen verziert, die der konventionellen Ästhetik des Winterurlaubs spielerisch den Krieg erklären.

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Autor:
Claudia Steinberg
Fotograf:
John Ellis/Living Inside