Zu Besuch bei einem Klassiker Die Moderne in Mexiko

Zu Besuch bei einem Klassiker: Der Mexikaner Teodoro Gonzáles de León war Le-Corbusier-Schüler und hat die Architektur seines Landes mehr als fünzig Jahrzehnte geprägt. Sein Privathaus in Mexiko-Stadt inszeniert er mit Sichtbeton, viel Glas und klaren Formen: Ein Ort der Konzentration - und Entspannung.

Kürzlich lagen Hunderte winziger Palmenfächer im Hof. Teodoro González de León hat sie alle aufgesammelt und in sein Atelier gelegt. Er will sie der Größe nach ordnen, dicht an dicht auf Holz kleben und anschließend nummerieren. „Manchmal bin ich eben manisch“, sagt er schmunzelnd mit der ganzen Gelassenheit seiner 85 Lebensund mehr als 50 Berufsjahre.

Teodoro González de León ist einer der bekanntesten Architekten Lateinamerikas und in seiner Heimat Mexiko schon jetzt eine Legende. Seine Schulen, Museen, Universitätsgebäude und Verwaltungszentralen haben die Baukunst seines Landes und vor allem das Gesicht der Hauptstadt entscheidend geprägt. Oft komponiert aus monumentalen geometrischen Formen – Quader, Keile, Halbkreise, Zylinder – und errichtet aus Sichtbeton, dessen behauene, grobe Oberflächen den gigantischen Bauten etwas Archaisches verleihen, stehen sie für Mexikos Selbstbewusstsein als moderne Nation mit uralten Wurzeln. So spektakulär die Architektur ist, so zurückhaltend wirkt ihr Schöpfer und so diskret auch sein Privathaus. Teodoro González de León ist kein Mann von vielen Worten. Er denkt lange nach, bevor er zu sprechen beginnt, und dann sind seine Sätze knapp. „Häuser sind wie Autobiografien“, sagt er und blickt sein Gegenüber an, schweigt lange, als ließe er tatsächlich gerade sein Leben Revue passieren, und fügt dann hinzu: „Das ist mein drittes eigenes Haus, und es ist mit Abstand das komplexeste.“

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Autor:
Kerstin Rose
Fotograf:
Christian Schaulin