Die prachtvolle Villa von Architekt Piero Portaluppi Die Necchi-Villa

Versteckt hinter Mauern, mitten in der Stadt, haben sich in den 1930er-Jahren die beiden Schwestern der italienischen Nähmaschinen-Dynastie Necchi eine prachtvolle Villa mit idyllischem Garten errichten lassen. Der renommierte Mailänder Architekt Piero Portaluppi schuf ein Meisterstück seiner Zeit an Stil, Qualität, Technik und Ausstattung. Heute sind die eleganten Gemächer zahlenden Gästen geöffnet.

Ein Schwur auf die Bibel besiegelte das Schicksal der Villa Necchi. Leisten musste ihn Giulia Maria Mozzoni Crespi kurz vor dem Tod der letzten Eigentümerin. „Gibst du mir dein Ehrenwort, dass du dich um mein Haus kümmern wirst, als wäre es dein eigenes?“ fragte die damals bereits hochbetagte Gigina Necchi Campiglio. „Ich schwöre es auf die Bibel“, antwortete die Präsidentin des Fondo Ambiente Italiano (FAI). Wenig später, im Jahr 2001, ging die Villa in den Besitz des Fonds über, der in ganz Italien historisch und kulturell bedeutende Güter verwaltet. Die Entscheidung, die Villa Necchi Campiglio der Öffentlichkeit als Museum zugänglich zu machen, fiel der fast 100 Jahre alten Gigina Necchi Campiglio nicht schwer.

Nachkommen hatte sie nicht, zudem war die FAI-Präsidentin Crespi eine Freundin der Familie. Schon in jungen Jahren war die Mailänderin oft und gerne zu Besuch in der längst berühmt gewordenen Villa gewesen, um mit den Schwestern Gigina und Nedda im Garten Tennis zu spielen oder sich im Salon des Hauses auf einer Abendgesellschaft zu amüsieren. Wer heute den Garten der Villa an der Via Mozart betritt, spürt nichts mehr von der Großstadt Mailand. Nur wenige Hundert Meter vom Zentrum der norditalienischen Metropole entfernt, befindet sich das Anwesen einer der prominentesten lombardischen Familien, verborgen hinter hohen Mauern. Die Anlage zeugt vom Reichtum der einstigen Bewohner. Dabei entstammten die Vorfahren von Nedda (1900 bis 1993) und ihrer ein Jahr jüngeren Schwester Gigina sowie ihres Mannes Angelo Campiglio aus eher bescheidenen und bürgerlichen Verhältnissen. Die Necchis besaßen die Eisengießerei Neca in Pavia, 35 Kilometer vor den Toren Mailands gelegen. Nachdem der Bruder von Nedda und Gigina, Vittorio, 1919 eine Nähmaschine entworfen hatte, die bald sogar den amerikanischen Markt erobern sollte, stieg die Familie zu Ansehen und Wohlstand auf.

Dass sie ohne Weiteres mit den Castelbarcos, Cicognas und Viscontis mithalten konnte, bewiesen Nedda, Gigina und ihr Mann Angelo der feinen Mailänder Gesellschaft spätestens im Jahr 1935, als sie erstmals in ihre Villa einluden. Den adeligen Familien soll es die Sprache verschlagen haben, wohl auch, weil schon bald Mitglieder königlicher Häuser – unter anderem aus Spanien, Bulgarien und selbstverständlich der Savoyen-Dynastie – bei den Necchi Campiglios ein- und ausgingen.

Autor:
Peter-Philipp Schmidt
Fotograf:
Giovanni Castell