Los Angeles Ein Haus im Blob-Design

Greg Lynn wurde mit organischen, am Computer entwickelten Bauformen bekannt. In Los Angeles entwarf er für den Regisseur Jason Bloom und dessen Frau Jacki, ein Haus ganz im Blob-Design: aussen unauffällig, innen eine phantastische Landschaft aus Wölbungen und Höhlen.

Am Strand von Marina del Rey, zwischen den schlichten, weiß verputzten Häusern, fällt der Bau zunächst kaum auf. Wäre da nicht dieser Zipfel aus halbtransparentem Fiberglas, der aus der gläsernen Fassade ragt und alle Aufmerksamkeit auf sich zieht: Schon folgt man ihm ins Innere, wo er sich als wellige Laterne unter der Decke fortsetzt. Wie ein riesiger Pilotfisch scheint er dicht unter der Meeresoberfläche voranzuschwimmen, führt durch die Schiebetür hindurch in eine merkwürdig organische Wohnlandschaft mit Höhlen, Beulen und kurvigen Wänden. Zugleich durchzieht das Haus eine kühle Strömung technologischen Raffinements. Das ist typisch für ihren Schöpfer, den Architekten Greg Lynn.

Der Amerikaner aus Ohio mit Büro in Los Angeles wurde in den 1990er-Jahren bekannt als radikaler Verfechter des „Blob- Design“, dessen amorphe Bauformen ganz am Computer entwickelt werden. Vor vier Jahren beauftragten der Filmund Fernsehregisseur Jason Bloom und seine Frau Jackilin, genannt Jacki, den Architekten mit dem Entwurf für ihr neues Zuhause. Das Grundstück liegt in einer Fußgängerstraße der dicht besiedelten Vorstadt von Los Angeles, die vor allem wegen ihres Freizeithafens bekannt ist. Darauf baute der 47-Jährige „einen rechtwinkligen Ballon, der bis an die Grenzen des erlaubten Bauvolumens aufgeblasen wurde“, wie er selbst erklärt.

Die maximale Wohnfläche von knapp 420 Quadratmetern wird so bis auf den letzten Zentimeter genutzt: ein Wohn-, Ess- und Kochbereich im Erdgeschoss, der sich über drei Ebenen erstreckt (unter der erhöht liegenden Küche befindet sich die Garage), darüber die Schlafzimmer der Eltern und der Kinder Alex, 3, und Naomi, 6, sowie Bäder und ein Arbeitsraum. Eine Treppe führt zur Dachterrasse mit Blick aufs Meer. Zwar ist so vor dem Haus nur noch Platz für einen schmalen Garten, dafür ist der offene Wohnraum um so großzügiger. Die Grotten, zu denen er sich an manchen Stellen verdichtet, sind Teil eines fließenden Ganzen ohne Türen. „Ich wollte eine Mischung aus Freiheit und Intimität erzielen, bei der die Architektur nicht bloß die Kulisse bildet, sondern sich in ständigem Kontakt mit den Bewohnern befindet“, sagt Lynn. Für ihn haben sich sowohl die klassische Moderne als auch der typische Loft, dem nur die Kunst an den Wänden seine Seele einhaucht, als Wohnstile abgenutzt.

Autor:
Claudia Steinberg
Fotograf:
Karin Kohlberg