Wer wohnt denn da? - Kolumne von Meike Winnemuth Ein Landhaus mit Stadt-Akzenten

Entwaffnend schön findet unsere Kolumnistin dieses Haus mit seiner Mischung aus grob und fein. Wäre nur die Toilette nicht eingerichtet wie eine behagliche Bibliothek. Lesen auf dem Klo ist eine Unsitte – und typisch männlich, behauptet sie. Und vermutet hier einen angelsächsischen Gentleman im gesetzten Alter.

Oh, Mann. Oh, Mannomann. Denn genau so einer ist es, der mich hier in eine Zwickmühle bringt: Eigentlich müsste ich an dieser Stelle den ganz großen Holzhammer auspacken und zu einer länglichen Diatribe gegen das Wohnklo ausholen. Zwischen all den wunderbaren Bildern eines ganz offensichtlich wunderbaren Hauses ist nun mal dieses eine Foto: eine plumpskloartige Holzdeckelkonstruktion, keine Klobrille, sondern eine veritable Klobank, die einem die Sitzung so richtig schön gemütlich macht. Obendrüber steht reichlich Lektüre im Regal, daneben gibt es viel Ablagefläche für weiß Gott was. Für Kaffeetasse? Whiskyglas? Aschenbecher, Pfeifenständer? Bei solch einem Anblick wächst mir immer die Männerhasskeule in der Hand. Warum, WARUM tun die das? Warum lesen die auf der Toilette? Warum verschleppen sie unschuldige Bücher, die wahrlich Besseres verdient hätten, an diesen unwirtlichen und olfaktorisch hochproblematischen Ort, um dort ausführlich über ihnen zu brüten? Widerlich.

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Autor:
Meike Winnemuth
Fotograf:
Christoph Theurer