Multiple-Kunstobjekte in limitierter Auflage Galerist Pierre-Alain Challier

Der Pariser Galerist Pierre-Alain Challier handelt mit Multiples-Kunstobjekten in limitierter Auflage. doch in seinem Wohnatelier wirken sie alle einzigartig.

Zweimal am Tag wird das Fischlein gefüttert. Eine Prise morgens, eine abends, und das Wasser stets gut gefiltert – mehr braucht der blasslila Schleierschwanz nicht, um seinen Dienst als Teil eines Kunstwerks zu verrichten. Er schwimmt in einem Kopf aus transparentem Plexiglas, ist mal Auge, mal Mund oder Ohr: eine „funktionelle Skulptur“, wie die New Yorkerin Nicola L. ihre Arbeiten nennt, die in der Tradition der Pop-Art und der Pariser Nouveaux Realistes stehen. Halb Objekt, halb Aquarium, ist dieser „Fishtank“ weder nur dekorativ noch wirklich radikal, außerdem in einer Auflage von 30 Stück erhältlich – und damit beispielhaft für das Programm der Pariser Galerie von Pierre-Alain Challier.

„Die Künstler, mit denen wir arbeiten, sollten ein Sendungsbewusstsein haben“, sagt der Galerist. „Aber ihre Arbeiten müssen auch über einer Konsole mit Blumenstrauß funktionieren.“ Ein Satz, der so nüchtern ist, wie Challiers Stimme klingt, und kaum in Einklang zu bringen ist mit den Räumen, die er sich im Galerienviertel Marais in einer alten Fabrik für Türbeschläge eingerichtet hat: Auf 450 Quadratmetern, verteilt auf vier Etagen, findet sich Nicola L.’s Fisch-Kopf ebenso wie eine Herde bunter Ziegen des belgischen Künstlers William Sweetlove. Eine verkohlte Violine von Arman, in Plexiglas gegossen, trifft auf eine Serie Aktaufnahmen des Fotokünstlers François Rousseau. Es gibt Fotografien der „Nest“-Installationen und Malereien des deutschen Landart-Pioniers Nils Udo und genau 7000 Tonkugeln, die sich über den Boden ergießen und dem Besucher im zweiten Stock geradezu entgegenstürzen: „De l’infime à l’infini“ („Vom Winzigen zum Unendlichen“), eine Arbeit des Poeten und Bildhauers Jean- Luc Parant. Es ist das Universum eines wirklich Kunstversessenen – es ist eklektisch, überbordend und von exquisiter Qualität. Und das, obwohl fast kein Objekt ein Einzelstück ist.

Seite 1 : Galerist Pierre-Alain Challier
Schlagworte:
Autor:
Sabine Howe
Fotograf:
Stephan Abry