In der Freizeit ab ins Grüne Idyllisches Landhaus mitten im Grünen

Keine Autostunde von Paris entfernt fand die Innenarchitektin Sarah Lavoine ein weitläufiges Wochenendhaus für sich und ihre Familie. Aus dem traditionellen Bau der 50er-Jahre machte sie ein lichtdurchflutetes Domizil, das sich ganz zum Garten öffnet und dessen Ambiente so lässig und elegant ist wie sie selbst.

New York, Marrakesch, Saint-Tropez, Dubai, Tokio: Sarah Lavoine bereist die Welt, wie andere Städter Metro fahren. Der Terminkalender der Pariser Innenarchitektin ist Wochen im Voraus auf die Stunde verplant. Ein Tribut an ihren Erfolg, denn die 39-Jährige gilt als Shootingstar des Einrichtens. Für die Wochenenden aber steht so oft wie möglich der Ortsname Montfort-l’Amaury auf ihrer Agenda. Hier, nahe der Forêt de Rambouillet, wo einst französische Könige zur Treibjagd luden, hat Sarah Lavoine vor zwei Jahren für sich, ihren Mann Marc und die drei Kinder das Landhaus „Maison des Champs“ gekauft. Der Name lässt ahnen, was das Anwesen ausmacht: Es liegt idyllisch am Ortsrand auf drei Hektar Land, mit Wiesen, auf denen ihre vier Pferde weiden, und einem Garten, in dem jede Saison etwas blüht. Die 3000- Seelen-Gemeinde ist über die Schnellstraße von Paris aus in einer Stunde zu erreichen. Für eine gestresste Pariserin, die von Kontinent zu Kontinent fliegt, ein Katzensprung.

„Ich habe das Haus an einem Januartag besichtigt. Es regnete, aber ich wusste sofort, dass ich es kaufen würde“, erzählt Sarah Lavoine. Sie steht im sonnendurchfluteten Salon, ungeschminkt, das blonde Haar offen, in Jeans und flachen Schuhen. Fast sieht sie dabei wie ihre Teenager-Tochter aus, es ist ihr Lässig-auf-dem-Land-Look, aber man spürt die natürliche Eleganz dahinter. Und genauso hat sie auch dieses Landhaus gestaltet. Es bedurfte dazu eigentlich nur weniger, gezielter Eingriffe – und ihres untrüglichen Gespürs für den richtigen Mix aus Materialien, Farben und Epochen. „Maison des Champs“, 1956 entworfen nach dem Vorbild traditioneller Häuser in der Region, ist ein lang gestreckter, zweigeschossiger Bau, der an beiden Enden von einem Treppenhaus erschlossen wird. Das war perfekt für die Lavoines, die einerseits eine gastfreundliche Familie sind, andererseits aber alle auch gern ihre Rückzugsmöglichkeiten haben: So sollte eine Gebäudehälfte zum Trakt für die Kinder werden, die andere für Eltern und Gäste sein. Nur ein paar Mauern mussten um- oder neu gesetzt werden, damit auf den 350 Quadratmetern des Landhauses, acht Schlafzimmer nebst Bädern, Wohnräume, Bibliothek, Ess- und Fernsehzimmer entstehen konnten.

In die Fassaden fügte die Hausherrin zusätzlich großflächige Fenster ein. „Ich wollte ein Maximum an Licht“, erklärt Sarah Lavoine, im Rücken das satte Grün des Grundstücks. Dank des alten, breiten Sprossenfensterbands in der einen und der neuen Panoramascheibe in der anderen Wand wirkt der Salon wie ein Wintergarten, der sich nach draußen öffnet. Den Garten hatten schon die Vorbesitzer gestaltet. „Ein Glück. Denn darin bin ich nicht so gut“, sagt Sarah Lavoine. Sie spricht schnell, stakkatohaft und mit einer tiefen, rauen Stimme, die nicht recht zu ihrem Äußeren passt, wohl aber zu den Zigaretten, von denen sie sich gerade die x-te anzündet. Dabei geht ihr Blick prüfend über das Arrangement auf der Fensterbank, wo antike Kandelaber aus Silber neben einer neongrünen Männerskulptur des französischen Künstlers Fabrice Hybert platziert sind.

„Ich war immer von schönen Dingen umgeben“, erklärt die kreative Sarah Lavoine. Ihr Vater, ein Prinz Poniatowski polnischer Herkunft, war lange Direktor der französischen „Vogue“, und schon ihre Mutter Sabine Marchal hatte als Inneneinrichterin internationales Renommee. Sarah Lavoines Karriere begann auf Umwegen. Um nicht die „Tochter von …“ zu sein, studierte sie Schauspiel in New York, dann Philosophie und Kommunikation, jedoch ohne Abschluss. „So ging ich doch bei meiner Mutter in die Lehre. Sie hat ein sehr feminines Stilgefühl. Und ich lernte von ihr, Stile und Epochen zu mischen.“ 1995, mit 22 Jahren, heiratete sie den französischen Chanson-Star Marc Lavoine. Und war nun „die Frau von …“. Als Mitarbeiterin des Pariser Innenarchitekten François Schmidt erlebte sie eine maskuline Form der Gestaltung, „das rundete mein Stilgefühl ab“. 2002 machte sie sich selbstständig, bekam schnell Aufträge, eine eigene TV-Sendung über Architektur und Design und eröffnete 2010 auch eine Einrichtungsboutique. Inzwischen hat sie sieben Mitarbeiter und kann sich ihre Kunden aussuchen.

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Autor:
Eva Müller-May
Fotograf:
Nicolas Mathéus/Basset Images, Produktion: Laurence Dougier