Mailänder Mischung Im Zuhause von Marva Griffin

Wie sieht das Design von morgen aus? Kaum jemand weiß das so gut wie Marva Griffin. Als Gründerin und Kuratorin des „Salone Satellite“, der Nachwuchsschau der Mailänder Möbelmesse, ist sie stets auf der Suche nach Neuem. Privat lebt die gebürtige Venezuelanerin in einem sehr persönlichen Mix aus Vintage und Avantgarde.

Sie ist eine Instanz im internationalen Design – und die Hoffnung vieler junger Gestalter: Marva Griffin gründete vor 15 Jahren den „Salone Satellite“, die Talentschau der Mailänder Möbelmesse, und kuratiert sie auch. Sie hat damit Nachwuchsdesignern aus aller Welt ein Forum gegeben und unzählige Karrieren begründet. Ihre eigene begann vor mehr als 40 Jahren, als sie aus ihrer Heimatstadt El Callao in Venezuela nach Italien kam. Sie wurde die rechte Hand der Design-Unternehmer Cesare Cassina und Piero Busnelli, die gemeinsam C&B führten (heute getrennt Cassina und B&B Italia), war Korrespondentin diverser Zeitschriften und leitet das internationale Pressebüro der Möbelmesse – und: Sie „ist“ der „Salone Satellite“. Wie wohnt jemand, der seit Jahrzehnten das Design befördert? Wir haben Marva Griffin in ihrer Altbauwohnung im Mailänder Altstadtviertel Brera besucht.

Farbeffekt
Marva Griffin in ihrer Wohnung

Marva Griffin vor einem Bild des italienischen Pop-Art-Künstlers Valerio Adami, ein Geschenk ihres Sohnes. Sie ließ dafür eigens die Kopfwand des Salons in hellem Gelb streichen, um die Nuancen des Gemäldes zum Leuchten zu bringen.

A&W: Es fällt auf, dass das Interieur für eine Designexpertin nicht sehr avantgardistisch ist. Marva Griffin: Ach, wissen Sie, ich habe keine radikale Einstellung zum Thema Wohnen und kenne keine festen Regeln. Die Einrichtung spiegelt einfach meinen Geschmack wider. Wenn Sie sich genau umschauen, sehen Sie übrigens, dass ich zeitgenössisches Design und Vintage-Stücke mische – und Stilmix ist absolut ein Trend (lacht)!

A&W: Meinen Sie einerseits neue Stücke wie die provokanten Stühle „Him“ und „Her“ in Form eines Hinterns von Fabio Novembre, die an Ihrem Glastisch stehen, und andererseits Klassiker wie den Ledersessel „Vanity Fair“? Den habe ich vorher noch nie in Rosa gesehen. Marva Griffin: Ich bin auch die Einzige, die den Sessel in dieser Farbe besitzt. Das ist eine schöne Geschichte: Anfang der 1980er-Jahre warb der Hersteller Poltrona Frau damit, dass er seine Produkte in jeder beliebigen Farbe fertigen könne. Also bin ich mit einem Stoffmuster zu Franco Moschini, dem damaligen Firmenchef, gegangen und habe ihm gesagt: „,Vanity Fair‘ ist eine Lady, deshalb will ich sie in diesem Rosa haben.“ Und ich habe sie bekommen.

A&W: Und die Stühle von Fabio Novembre? M.G.: Die hat mir Fabio selbst geschenkt. Sie gefallen mir sehr, deshalb stehen sie jetzt hier.

A&W: Wie haben Sie die Wohnung gefunden? M.G.: Eigentlich per Zufall über einen Freund. Die Terrasse und die lichtdurchfluteten Räume haben mich gleich begeistert. Und dann die Lage! Ich habe in und um Mailand schon in vielen Gegenden gewohnt, sogar schon auf dem Gelände eines Golfplatzes, ich spiele ja Golf. Aber die Brera ist ein so zentrales, heiteres Stadtviertel. Man lebt hier zwischen dem Sitz des „Corriere della Sera“, der Pinacoteca di Brera und der schönen alten Kirche San Marco. Was will man mehr?

A&W: Waren die Einbauten alle schon drin? M.G.: Ja. Die Wohnung war komplett renoviert, ein großer Vorteil für mich. Ich musste also einfach bloß meine Möbel hineinstellen.

Seite 1 : Im Zuhause von Marva Griffin