Mehr Platz und bunter: Kalifornische Moderne im Wohnraum

Hell, klar und etwas kühl: Das Haus einer Familie in Los Angeles ist ein Paradebeispiel für die kalifornische Moderne. Die jungen Besitzer wünschten sich mehr Wärme und mehr Wohnraum. Starke Farben und ein neuer Grundriss machten es möglich - ganz ohne Anbau.

Sonnenstrahlen fallen durch die raumhohen Fenster in das Wohnzimmer, malen Flecken und Streifen auf den Korkfußboden und verwandeln die Wände in Lichtinstallationen. Sie schimmern gelb und pinkfarben und verteilen großzügig rosa Puder, der klare Linien verwischt, Strenges aufheitert, Schweres zum Schweben bringt. „Es fühlt sich an wie in einer der begehbaren Skulpturen von James Turrell“, sagt Laura Purdy. Der Künstler aus Arizona stellt mit seinen Werken die dreidimensionale Wirklichkeit infrage, Entfernungen erweisen sich als Illusion, Größe und Gewicht verlieren ihre Bedeutung: „Farben und Raumgefühl ändern sich mit jedem Schritt, jeder Drehung – es ist magisch.“

Die Künstlerin Laura Purdy, gebürtige Texanerin, und ihr Mann Juan Devis, Regisseur und Filmproduzent aus Kolumbien, sind Experten für Märchenhaftes: Denn ihre Kinder Eva Luna, 8, und Simon, 5, haben beide ein Alter, in dem sich Phantasie und Realität noch eng verweben. Als das Ehepaar 2009 beginnt, über eine fällige Sanierung ihres Hauses nachzudenken, spielen die Kinder eine Hauptrolle. Der Bau, entworfen Anfang der 1950er-Jahre im Stil der kalifornischen Moderne, soll kein Showroom für die Möbelklassiker von Eero Saarinen, Ray und Charles Eames, Jorge Ferrari-Hardoy werden, mit denen sich das Ehepaar einrichtet, auch keine Galerie für seine Sammlung südamerikanischer Gegenwartskunst. Sondern vor allem ein Zuhause zum Spielen, Entspannen und Aufwachsen.

Seit 2003 wohnt die Familie in dem zweigeschossigen Haus am Hang von Los Feliz, einem der Stadtteile von Los Angeles, in dem Hollywood-Stars ihre Säulentempel, Miniatur-Versailles und Paläste der Moderne errichten. Verglichen mit solchen Gebäuden ist ihr Bungalow mit 200 Quadratmetern Wohnfläche geradezu unscheinbar und klein. „Zu klein?“, fragen sich Laura Purdy und Juan Devis vor der Sanierung. Im Grunde bewohnen sie nur das 140 Quadratmeter große Erdgeschoss: drei Schlafzimmerchen, zwei kleine Bäder, Wohnzimmer, Küche. Die untere Etage, zur Hälfte in den Berg gegraben, gehört dem Waschraum, der Abstellkammer und dem Arbeitszimmer, eine kaum genutzte, düstere Höhle. „Unsere erste Idee war eine Erweiterung“, erzählt Laura Purdy. „Aber die Architekten überzeugten uns, dass das falsch gewesen wäre.“

„Die Knochen sind großartig, es wäre eine Schande, an der Struktur etwas zu verändern“, urteilt Linda Taalman nach der Besichtigung über die Holzskelettkonstruktion. Mit ihrem Mann Alan Koch führt sie in Los Angeles das Büro Taalman Koch. Sie haben die Bauherren über gemeinsame Freunde kennengelernt, und man sei einander sofort sympathisch gewesen. Etwa ein halbes Jahr dauert die Entwurfsphase, ein reger Austausch, der meist so aussieht: Während ihre Tochter Oleana, 4, mit Eva und Simon spielt, sitzen die Elternpaare bei Snacks und Drinks am Küchentisch, diskutieren, skizzieren. Schnell einigen sich die vier auf klare Formen, auf weniger, das mehr ist.

Juan Devis wünscht sich, dass neben Prinzipien der Moderne auch seine Heimat Südamerika präsent ist: „Damit es nicht zu streng wird, zu männlich.“ Ein Bildband über den Lieblingsarchitekten der Hausherren, den mexikanischen Pritzker-Preisträger Luis Ramiro Barragán Morfín, inspiriert zu den mit safrangelbem und pinkfarbenem Gips verputzten Wandflächen.

 

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Schlagworte:
Autor:
Petra Mikutta
Fotograf:
Patricia Parinejad