Anwesen von Bildhauer Xavier Corberó Meisterwerk aus Landhäusern

Aus acht alten Landhäusern nahe Barcelona machte der Bildhauer Xavier Corberó in mehr als 40 Jahren eine gewaltige Anlage mit Hallen, Höfen, Nischen und Treppen, die ins nichts führen: sie ist sein begehbares Meisterwerk.

Das Zentrum der Landhäuser bildet ein Oktogon, ein Achteck, seit der Antike Symbol für Vollkommenheit. Oder ist es doch der weite leere Hof mit den schmucklosen Wänden und den Rundbogenfenstern, in den das Mittagslicht harte Schatten wirft wie auf einem Bild von Giorgio de Chirico?

Landhaus in Spanien von Xavier Corberó

Hinter den verglasten Bögen an der Gartenseite des Haupthauses liegen großzügige Räume.

 

Wahrscheinlich ist schon die Frage nach dem Zentrum genauso fehl am Platz wie die nach der Funktion dieser exzentrischen Architektur: Wohnhaus? Atelier? Werkstatt? Museum? Skulptur? Es ist von allem etwas, aber vor allem ein gewaltiges, turmhohes Spiegelkabinett, durch welches das rauchige Lachen seines Besitzers hallt, belustigt ob der Verwirrung des Besuchers: über die Treppen, die ins Nichts führen, Bögen, die auf Luftsäulen ruhen, und geheimnisvolle Türen, die sich im Boden öffnen.

„Ich liebe die Arbeiten von M. C. Escher“, sagt Xavier Corberó, während er durch die Katakomben seines Anwesens aus Landhäusern führt und durch die Betätigung einer Fernbedienung in der Hosentasche eine riesige Stahltür aufgleiten lässt, hinter der sich wundersamerweise ein winziger Paradiesgarten mit üppiger Vegetation und Wasserfall öffnet – obwohl man sich doch tief unter der Erde wähnt. Wie der niederländische Künstler Escher liebt es auch der Spanier Corberó, den Betrachter in eine unwirklich anmutende Welt zu entführen, in der man schnell die Orientierung verliert. Unter oder über der Erde, vorn oder hinten, Traum oder Wirklichkeit. Corberó zündet sich die nächste Zigarette an, schüttelt den Kopf, als wollte er sagen: Nur Kleingeister scheren sich um solche Gegensätze!

Autor:
Andreas Schäfer
Fotograf:
Costas Picadas, GAP Interiors