Altes Internatsgebäude Originelles Landhaus eines Künstlerpaares

Für sie war es Liebe auf den ersten Blick: Als die New Yorker Künstlerin Laurie Simmons in Connecticut ein altes Internatsgebäude entdeckte, wollte sie es zu ihrem Landhaus machen. Doch die riesigen Räume sträubten sich gegen jede Art von Wohnlichkeit. Bis Simmons, bekannt geworden mit Fotos von bizarren Miniatur-Interiors, die Zimmer zur Kulisse einer Bilderserie machte und sie als Puppenstube in XL inszenierte.

Bis heute kann Künstlerin Laurie Simmons nicht genau erklären, warum der eher reservierte Klinkerbau am Rand des Orts Cornwall in Connecticut eine so unwiderstehliche Anziehungskraft auf sie ausübte. Vor acht Jahren, sie machte in der Nähe Urlaub, sah sie die Backsteinvilla auf einer Anhöhe zum ersten Mal. Von ihrem Versteck hinter der Hecke träumte sich die Künstlerin aus Manhattan in das Schafzimmer im ersten Stock und ließ sich wie ohnmächtig auf das imaginäre Bett fallen. „Ich stellte diesem Landhaus nach wie einem unnahbaren Mann, dessen Herz ich erobern wollte“, gesteht Laurie Simmons. Ihr Ehemann, der Maler und Bildhauer Carroll Dunham, konterte ihre Leidenschaft mit nüchternen Kalkulationen. Als aber das ehemalige Verwaltungsgebäude eines Internats auch zwei Jahre später noch leer stand – „weil ich es mit einem Fluch belegt hatte“, behauptet Simmons verschwörerisch – kapitulierte er.

Inneneinrichtung im Fernsehraum von Laurie Simmons

Von Anfang an stand fest, dass die Wände im Fernsehraum schwarz gestrichen werden, um einen glaubhaften Kinoeffekt zu schaffen. Aber um das richtige Schwarz zu finden, bedurfte es etlicher Experimente.

Doch lag es wohl weniger an ihrer Hexenkunst als an der überwältigenden, weiß getünchten Leere des Landhauses, dass sich so lange kein Käufer fand. „Es gab weder Küche noch Bad, die Zimmer hatten keine Identität“, erklärt Dunham. Und auch das Künstlerpaar fühlte sich in den „institutionellen Dimensionen“ (Simmons) des Backsteinbaus zunächst verloren. Das änderte sich in dem Moment, als sie jedem der 14 Zimmer eine Bezeichnung gaben. Als hätten sie mit Worten wie „Bibliothek“ oder „Fernsehraum“ eine Zauberformel ausgesprochen, gehörte das Landhaus plötzlich ihnen. „Es sagte mir, was ich zu tun hatte“, meint Laurie Simmons.

Dabei ist sie ohnehin eine Expertin für Interiors: Seit sie vor gut 30 Jahren alle Puppenstubenmöbel eines bankrotten Spielzeugladens aufkaufte, baut die Künstlerin Miniaturräume, bestückt sie mit winzigen Bewohnern und fotografiert sie auf eine ebenso magische wie melancholische Weise. Später entwarf sie für das Museum of Modern Art ihr eigenes Puppenhaus, einen modernen Glaskasten mit Schiebetüren, schickem Mobiliar und briefmarkengroßen Bildern von Freunden wie Cindy Sherman und Peter Halley an den Wänden.

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Autor:
Claudia Steinberg
Fotograf:
Karin Kohlberg