New York Purismus im Palazzo

In einer New Yorker Fabriketage entdeckte die Architektin Diane Lewis das Raumgefühl italienischer Renaissance-Paläste. Sie baute es für zwei renommierte Baukunst-Experten aus - mit minimalistischen, variablen Einbauten, die eine maximale Offenheit bieten.

Essbereich

Drehtüren

Bewohnte Skulptur Die Drehtüren aus massivem Holz sind das dramatischste Element im ganzen Loft. Sie erlauben stets neue Ein- und Durchblicke und betonen so, wie der durchgehende dunkle Holzboden, den flexiblen Charakter dieser Wohnform.

Verschwenderisch breitet sich das noble Schwarz des Fußbodens über die ganze Fabriketage aus. Das Licht, das durch die hohen Fenster an beiden Enden des langen Raumes fällt, schimmert im matten Glanz der dunklen Fläche wie auf einem tiefen Teich. Darüber ist es hell, Weiß überall. Eine Reihe schlanker Gusseisensäulen teilt das 300 Quadratmeter große Loft in SoHo aus dem Jahr 1874 in knappen Intervallen in zwei gleiche Hälften: Die eine enthält ein halb offenes Gehäuse für Küche, Bett und Bad, die andere zieht sich als 30 Meter lange Strecke von Osten bis Westen. Nur eine winzige Kammer und eine Sitzecke mit Kamin stellen sich hier der radikalen Weite in den Weg.

„Es war schon immer ein heimliches Vergnügen des Loftlebens, sich Räume von aristokratischen Dimensionen anzueignen, die mittellosen Künstlern natürlich nicht zustehen“, sagt Mark Wigley. Der gebürtige Neuseeländer ist ein international renommierter Architekturtheoretiker und Rektor der Architekturfakultät an der Columbia University. Er lebt hier in der Greene Street mit seiner Frau und Kollegin Beatriz Colomina, die Baugeschichte an der Princeton University lehrt. Das Gebäude ist von 1874, das Interieur ihres Lofts so zeitlos wie zeitgenössisch – entworfen von der New Yorker Architektin Diane Lewis. Als diese den Ort vor sieben Jahren zum ersten Mal betrat, fühlte sie sich in einen venezianischen Palazzo versetzt. „Es handelt sich um die gleichen Proportionen, das spürte ich sofort am ganzen Leib“, erinnert sie sich. Für Diane Lewis war die italienische Baukunst prägend, seit sie als 25-Jährige den renommierten „Prix de Rome“ und damit ein Stipendium in der Ewigen Stadt gewann. Dem jungen Paar, das sie ursprünglich mit der Gestaltung des Lofts beauftragt hatte, bescherte sie mit ihren sensiblen Interventionen den unvergleichlichen Luxus maximaler Offenheit im Kontrast mit wenigen eng bemessenen Nischen, zu denen sie wiederum von der höfischen Architektur der italienischen Renaissance inspiriert wurde.

Einbaubank

Blaue Insel Das Polster der Einbaubank gehört zu den wenigen Farbakzenten in dem schwarz-weißen Interieur. Dahinter liegt eine Kammer, in der ab und zu die erwachsene Tochter übernachtet. Die Wände berühren die Decke nicht, so gibt es kein Enge-Gefühl.

„Das Studiolo im Palast von Urbino ist dem Herzog wie ein Stück Couture auf den Körper geschneidert – dort schreibt er, liest er, dann tritt er hinaus in eine riesige Halle, die eine Verlängerung der Stadt in seine Sphäre repräsentiert. In meiner Architektur arbeite ich mit den gleichen dramatischen Extremen“, erklärt die Architektin. Als ihre Klienten plötzlich aus dem Projekt aussteigen mussten, übernahmen Mark Wigley und Beatriz Colomina den versteckten Palazzo ohne große Änderungswünsche. „Architekten verbringen ihr ganzes Leben damit, die Spuren ihrer Kollegen auszumerzen. Wir fanden dagegen, dass Diane uns ein Geschenk gemacht hatte und beauftragten sie mit weiteren Details“, sagt der Hausherr.

Autor:
Claudia Steinberg
Fotograf:
Karin Kohlberg