Das Schloss des Porzellanbarons Philip Rosenthal Schloss Erkersreuth

Philip Rosenthal war Vorzeigeunternehmer, Sozialdemokrat, Abenteurer und Lebemann. Sein Wohnsitz, Schloss Erkersreuth bei Selb, wurde dank seiner Ideen zum schillernden Gesamtkunstwerk - und zu einem privaten Museum des legendären Porzellanbarons.

Schloss Erkersreuth bei Selb hat bessere Tage erlebt. Aber die Energie, der Spirit und die Seele seines letzten Herrn stecken in jedem Winkel und in jedem Detail dieses 1748 für die Familie derer von Lindenfels erbauten Landsitzes, in dem der Geheimrat Philipp Rosenthal 1879 mit Porzellanmalerei in einem angemieteten Raum den Grundstein für die weltbekannte Marke legte – und den sein Sohn Philip Rosenthal seit den 1950er-Jahren zur Bühne für seine faszinierende Lebensart und vielschichtigen Leidenschaften ausbaute.

Der „Porzellanbaron“, SPD-Politiker und Vorzeigeunternehmer, der als einer der Ersten in Deutschland ein Beteiligungsmodell für Mitarbeiter einführte, starb 2001 mit 84 Jahren – und angesichts der Insolvenz der Rosenthal AG hat er sich wohl im Grab unter der Buche vor seinem Haus umgedreht. Das barocke Landschlösschen gehört nach wie vor der Firma und ist sanierungsbedürftig wie sie selbst. Rosenthal besaß zeitlebens darin nur eine Wohnung; die bewohnt Beate Reichel, seine ehemalige rechte Hand und 33 Jahre jüngere letzte Lebensgefährtin, „wie er sie verlassen hat“. Im Arbeitszimmer mit den ledernen Wänden steckt in einer Pfeife noch der Rest einer Zigarre, die er auf diese Art bis zum letzten Tabakzipfel verqualmte.

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Autor:
Barbara Friedrich
Fotograf:
Giovanni Castell