Der perfekte Remix Spannendes Zuhause in Berliner Altbau

Fließende Räume statt langer Flure: Aus einer abgewohnten Berliner Altbauetage machte der Architekt Thomas Kröger ein großzügiges Ambiente für einen Musikmanager und eine Trapezkünstlerin. Er ging dabei an die Grenzen der Statik. 

Eine ehemalige Pension, total heruntergekommen. Die Parzellen herausgerissen, die Räume leer und kaputt gewohnt. Als der Berliner Architekt Thomas Kröger und sein Auftraggeber, ein Musikmanager auf Wohnungssuche, eintreten, knarzen die Dielen des schier endlosen Flurs. War nicht die Rede von einer Altbauperle in bester Charlottenburger Lage gewesen? So fragt sich der potenzielle Käufer und straft den Architekten mit einem „Was-hat-er-sich-nur-dabei-gedacht“-Blick. Der jedoch zückt unbeirrt einen Stift und zeichnet eine lange Diagonale auf die abblätternde Tapete: „Wenn ich dir diese Wand öffne, hast du fast 20 Meter freie Sicht und Tageslicht von beiden Hofseiten.“ Doch der Kunde bleibt skeptisch: „Ich konnte mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass aus der Wohnung etwas zu machen ist.“ Erst die 3D-Animation vom Altbau mit der veränderten Raumaufteilung, die ihm Thomas Kröger drei Tage später präsentiert, überzeugt ihn.

Schnell entschlossen überlässt er dem Architekten das Feld und entschwindet mit einer Rockband auf Tournee. „Ab und zu bekam ich eine E-Mail mit Schnappschüssen von der Baustelle, das war’s.“ Sieben Monate später ist die Verwandlung vollzogen: Thomas Kröger hat den langen Flur im Altbau verschwinden lassen, Zimmer zusammengelegt und in einem Zickzackschema miteinander verbunden – geht man quer durch das Entree, gelangt man direkt in den Salon, läuft man quer durch den Salon, steht man im Speisezimmer, von dort gelangt man in die Bibliothek. Abgehend vom Entree, baute der Architekt kurze Korridore ein, die zugleich als Stauraum oder Ankleide dienen und in kleine, versteckt liegende Zimmer wie Bäder, Schlaf- und Gästezimmer führen. „Ich wollte die Wohnung reicher machen durch unerwartete räumliche Situationen, die sich nun hinter Türen und Korridoren öffnen.“

 

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Autor:
Camilla Péus
Fotograf:
Thomas Heimann