Großzügig und hell Villa in Hoek van Holland

Am Strand von Hoek van Holland stecken die Dünen voller Bunker: Relikte aus dem Zweiten Weltkrieg. Die Villa, die zwei junge Rotterdamer Architekten hier für ein Ehepaar bauten, ist davon inspiriert – und trotzdem großzügig und hell.

Essplatz

Eingangstür

Die Eingangstür wurde der schrägen Hauswand angepasst.

DIE LAGE: am Meer hinterm Deich

Hoek van Holland, übersetzt „Ecke von Holland“, ist ein Badeort an der Nordsee. Er hat knapp 10 000 Einwohner, das mildeste Klima und die meisten Sonnenstunden des Landes. In einem Wohngebiet am Ortsrand steht das Haus von Piet und Diana van Toor. Hinter dem Grundstück liegt der Deich, von dort kann man über eine wilde Dünenlandschaft, weite Strände und das Meer bis zum Rotterdamer Hafen sehen – und auf Relikte aus dem Zweiten Weltkrieg: Bunkeranlagen, die die deutschen Besatzer einst in den Sand eingruben. „Auf meinem Grundstück ist noch eine Einstiegsröhre aus Beton für eine unterirdische Schießscharte“, sagt Piet van Toor. Er und seine Frau haben verschiedene Modefirmen besessen und in Utrecht gelebt, bis sie beruflich kürzer treten wollten. Sie verkauften den Großteil ihrer Unternehmen, um hier am Wasser zu bauen. Die Bunker störten sie nicht. Im Gegenteil. Sie wurden zur Inspiration für ihr Haus.

Arbeitsplatz

Diana van Toors heller Arbeitsplatz im Atelier.

DIE IDEE: vom Dunkel ins Licht

Das Paar wünschte sich einen modernen, energiesparenden Bau mit viel Licht und hellen Räumen, um seine Sammlung holländischer Malerei aus den 1920er- bis 1950er-Jahren angemessen präsentieren zu können. Zugleich aber sollte das Haus formal Bezug nehmen auf die Bunker und dabei zum Teil unter den Dünen verschwinden – ein Paradox, für dessen Auflösung ein zunächst beauftragter Architekt aus Utrecht „keinen originellen Vorschlag unterbreitete“, wie die Bauherren fanden. Sie übergaben das Projekt an Piet van Toors Neffen Rogier van den Berg, der mit seinem Partner Daan Zandbelt in Rotterdam das Büro Zandbelt & van den Berg führt. Die jungen Architekten, eigentlich eher auf Stadtplanung spezialisiert, entwickelten gemeinsam mit den Bauherren eine Lösung, die aus der Ferne kompakt erscheint, sich von Nahem aber als offen und vielfältig entpuppt: Das Erdgeschoss wird zum „Bunker“, die erste Etage folgt einer strengen Lichtdramaturgie und die zweite Etage sitzt wie ein Haus auf dem Haus.

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Autor:
Eva Müller-May
Fotograf:
Christoph Theurer