Restaurierung Vom Bauernhof zum Landhaus

Könnte dieses Haus sprechen, es würde uns fragen: Was ist hier alt, was neu gebaut? Ein Landschaftsgärtner und ein Inneneinrichter machten aus einem verfallenen Bauernhof im Süden der Niederlande ein Anwesen, das die Tradition bewahrt und die Moderne zulässt: mit puristischen Formen, gedeckten Farben und der sinnlichen Qualität von Naturmaterialien. Holz und Backstein, Kalk, Schiefer und Leinen haben hier ihren Auftritt.

Terrassentür mit Kamin

Wohnzimmer

Im Neubau herrscht der Purismus klarer Formen und moderner Klassiker, aufgelockert durch das alte Holz der Deckenbalken, Truhen und Tische und den weichen Wollteppich.

Erst ist es nur eine Krähe, die sich auf dem Acker niederlässt. Dann landen fünf weitere, und ein paar Minuten später erfüllt das Kreischen von gut 100 Vögeln die Luft. „Sie kommen, um das Grün der jungen Karotten zu frühstücken“, erklärt Sander de Weijer und lacht. In Reih und Glied nebeneinander hockend, picken sie in die akkurat gezogenen Saatreihen. „Der Bauer ist natürlich nicht so glücklich über diese Diebe. Ich finde das Spektakel einfach lustig.“ Der holländische Landschaftsgärtner und Florist liebt es, im Garten zwischen den wellenförmig geschnittenen Buchshecken im Liegestuhl zu sitzen, zu lesen oder den Blick schweifen zu lassen: über den weiten Acker, an den das Grundstück grenzt, und zu dem kleinen Wald dahinter. Vor zehn Jahren hat er hier, am Rande des Ortes Klein-Dongen nahe der belgischen Grenze, ein Bauernhaus von 1880 entdeckt – ein lang gestreckter Backsteinbau, der Haupthaus, Scheune, und einen Wohntrakt für Landarbeiter enthielt, dazu ein Gebäude mit Backstube und Kornspeicher.

Toine Michielsen

„Wir wollten die Ruine spüren, bevor wir mit der Restaurierung begannen.“

Es lag mitten im Grünen und doch nur 30 Kilometer von der Stadt ’s-Hertogenbosch entfernt, wo er und sein Lebensgefährte, der Inneneinrichter Toine Michielsen, ein Blumengeschäft und einen Interior-Laden besitzen. Sie suchten die Nähe zur Natur, die in den Niederlanden meist Kulturlandschaft ist, von Menschenhand geformt, von Landwirtschaft geprägt. Die Gegend um Dongen ist trockengelegtes Moorland mit engen Straßen, Bächen, Wallhecken und Entwässerungsgräben, unzähligen Feldern, aber erfreulich wenigen Gewächshäusern. „Hier wird noch viel auf dem Acker angebaut“, sagt Sander de Weijer. Vorausgesetzt, die Krähen lassen die Saat auch aufgehen. Die Gegend ist malerisch, doch das Haus war kaum mehr als eine Ruine. Es gab nur ein paar Fliederbüsche auf einer verkarsteten, gut 1500 Quadratmeter großen Wiese.

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Autor:
Eva Müller-May
Fotograf:
Christoph Theurer