Die Inhalte des aktuellen Hefts in der Übersicht

Alle Infos aus dem aktuellen Heft der A&W finden Sie hier im Überblick. Freuen Sie sich auf viele spannende Artikel und Reportagen rund um Architektur und Wohnen!

Cover 03/19

Wie werden wir morgen leben? Während ich über diese Frage grübele, sitze ich im New Yorker Hotel Nomad am Broadway und schaue auf Hochhausfassaden. Vielleicht gibt es keinen besseren Ort, um über Zukunft nachzudenken, vielleicht auch keinen schlechteren: Ich habe ein Zimmer im vierten Stock, die Morgensonne erlebe ich nur an den heller leuchtenden neoklassizistischen Backstein-Hochhauswänden gegenüber, Sunset ist (im April) irgendwann gegen 15 Uhr, wenn der Feuerball sein einstündiges Intermezzo zwischen zwei 90er-Jahre-Wohnsilos abrupt beendet. Bis Mitte des Jahrhunderts wird auf dem Planeten Wohnraum für zusätzlich 2,6 Milliarden Menschen benötigt, überwiegend in Städten. In New York erlebt man hautnah, was das bedeutet: Ein bis dato ungekannter Bauboom hat die Stadt ergriffen, in atemberaubendem Tempo versinkt die alte, nach 9/11 eh kaum gelernte Skyline, zwischen Condominium-Towern rund um die Billionaires Row an der 57. Straße. Projekte wie der 435-Meter-Wohntower 111 West 57 (111w57. com) vermitteln ein Gefühl dessen, was auf uns zukommt: Mit einem Höhen-Breiten-Verhältnis von 1:24 wird der im Herbst fertiggestellte Bau neben der berühmten Steinway-Hall das schlankeste Gebäude der Welt. Wer die immer längeren Schatten im Central Park kennt, weiß, dass diese Entwicklung nicht nur zu begrüßen ist. Dennoch: Wir werden auch in Deutschland nicht um eine Antwort herumkommen, warum unsere Städte eigentlich nicht mehr wachsen dürfen – und das bei epochalen Verschiebungen der Gesellschaft: Die Entwicklung weg von der Kernfamilie hin zu temporären Lebensgemeinschaften wird den Druck auf die Städte erhöhen, denn sowohl jüngere als auch ältere Singles schätzen die realen sozialen Netzwerke, die sie auf dem Land immer weniger vorfinden. Die Zahl der Einpersonenhaushalte hat sich seit 1987 fast verdoppelt. Dieser Trend führt dazu, dass die Bevölkerung insgesamt mehr Wohnfläche beansprucht; ein Single braucht heute schon circa ein Drittel mehr als ein Zweipersonenhaushalt. Jeder bewohnte Quadratmeter Fläche in Gebäuden wird beleuchtet, beheizt, möbliert, muss gereinigt und instand gehalten werden. Dies führt zu erhöhtem Energie- und Ressourcenverbrauch. Eine Herausforderung, auch gestalterischer Natur: Denn je mehr Städte das soziale Umfeld mit definieren, umso mehr werden wir Flächen für Parks, Begegnungsstätten und Lebensraum im sozialen Sinne benötigen. In hoch mobilen Gesellschaften verschärfen Hotelprojekte, die ebenfalls boomen, das Ganze. Eine erste Lösung könnten Wohnraum-Sharingmodelle sein. Ich habe mich mit 45 Jahren entschieden, sowohl meinen Hamburger wie auch meinen Münchner Wohnraum (welch ein Luxus, ich weiß) mit mir vertrauten Menschen zu teilen. Was sich für mich wie ein aufregendes Abenteuer anfühlt, ist für meine neuen Mitbewohner übrigens ganz „easy“. In diesem Sinne eine entspannte Lektüre unserer Next-Generation-Ausgabe.