Die Inhalte des aktuellen Hefts in der Übersicht

Alle Infos aus dem aktuellen Heft der A&W finden Sie hier im Überblick. Freuen Sie sich auf viele spannende Artikel und Reportagen rund um Architektur und Wohnen!

AW-Ausgabe 04/2018

Die Menschen verbindet seit jeher eine eigenartige Sehnsucht nach Wasser. Das Element, aus dem Neugeborene zu etwa 75 Prozent bestehen und von dem wir circa zwei Liter pro Tag zum Überleben und 122 Liter zum Leben benötigen, zieht uns magisch in den Bann. Völlig zu Recht, werden Wissenschaftler einwerfen, denn flüssiges Wasser kommt in unserem Sonnensystem nur hier auf der Erde dauerhaft, in riesigen Mengen und direkt an der Oberfläche vor. In den Weiten des Alls sucht man händeringend danach, gilt es doch als Grundvoraussetzung allen Lebens. Nicht mal auf der Erde können sich Planetenforscher die Existenz solcher Massen erklären: Man ist sich einig, dass es zu Zeiten der Erdentstehung viel zu heiß dafür gewesen sei.

Wie auch immer Wasser hierherkam, ich bin am Ufer eines kleinen Flusses aufgewachsen, der Trave, die durch die schleswig-holsteinische Schweiz mäandert, um sich irgendwann in Travemünde, nomen est omen, bei Lübeck in die Ostsee zu ergießen. Ich war in der Schule immer fasziniert davon, wie dieser doch recht bescheidene Strom einst der Hauptstadt der Hanse ihren Aufstieg zu florierendem Seehandel ermöglichte.

Es gibt kein Element, dass das Bauen und unsere Städte nachhaltiger geprägt hat und immer noch prägt. Denn abgesehen davon, dass man für den wichtigsten Baustoff dieses Planeten, Beton, pro Kubikmeter ebenfalls rund 180 Liter Wasser benötigt, habe ich nur zu gut die Fernsehbilder des Tsunamis von Japan aus dem Jahr 2011 im Kopf, Folgen des verheerenden Tohoku-Erdbebens und des Tsunamis von Thailand aus dem Jahr 2004. Denn in Wahrheit liegen dem Reiz des Lebens am Wasser auch immer seine von ihm ausgehende Gefahr und die Unberechenbarkeit seiner ungeheuren Kraft zugrunde. Dafür muss man nicht erst seinen privaten Wellnesstempel mit Sandstein auslegen, der ja eigentlich verkitteter Meeressand ist. Heute leben rund eine Milliarde Menschen innerhalb von 20 Metern über dem Meeresspiegel, unterhalb von fünf Metern werden es bis Ende des 21. Jahr- hunderts rund 500 Millionen Menschen sein. Schanghai, Hongkong, Tokio, New York, London, Hamburg – bei einem Anstieg des Meeresspiegels um nur fünf Meter, würde die Erde aus dem All fast identisch aussehen, aber ein Großteil unserer Kulturen wäre versunken und höchstens sagenumwoben wie einst Platons Atlantis. Da helfen dann nur noch trocken formulierte Verse eines Rainer Maria Rilke: "Vorüber die Flut. Noch braust es fern. Wild Wasser und oben. Stern an Stern." Ich wünsche eine anregende Lektüre – an welchem Strand auch immer Sie sich diesen Sommer ein paar Tage Erholung gönnen.