Die Inhalte des aktuellen Hefts in der Übersicht

Alle Infos aus dem aktuellen Heft der A&W finden Sie hier im Überblick. Freuen Sie sich auf viele spannende Artikel und Reportagen rund um Architektur und Wohnen!

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Kennen Sie Luan Tou? Nein? Sollten Sie aber! Es handelt sich um die älteste Schule im klassischen Feng-Shui und bedeutet zu Deutsch in etwa so viel wie Formenlehre. Luan Tou wird sowohl für Wohnhäuser als auch für Grabstätten angewendet und betrifft die optimale Auswahl eines Bauplatzes in der natürlichen Landschaft und die Ausrichtung eines Gebäudes nach den Himmelsrichtungen. Wer einmal anfängt nach fernöstlichen Wohnweisheiten zu suchen, wird schnell überwältigt von einem regelrechten Wissensstrom, der einem da entgegenschwappt. Und von dem wir im Westen (ich sage ganz bewusst „wir“, denn auch ich kannte davon bislang kaum etwas) im Wesentlichen immer noch vollkommen abgeschnitten sind. Ist es Ahnungslosigkeit oder Arroganz oder eine Mischung aus beidem, dass wir hier bislang eher einer knapp 150 Jahre alten Bauphysik vertrauen als Lehren, die seit 3500 Jahren eine Region inzwischen so groß gemacht hat, dass sich sogar US-Präsident Donald Trump vor ihr fürchtet – oder warum bellt er sonst so laut gen Osten? Auch politisch könnte man von Letzterem lernen. So sagt ein chinesisches Sprichwort: „Wenn du einen Riesen siehst, der mit dir kämpfen will, dann untersuche zuerst den Stand der Sonne. Denn nur dann kannst du sehen, ob der Riese vielleicht lediglich der lange Schatten eines Zwerges ist.“ Aber das ist ein anderes Thema … Mein erster Kontakt mit asiatischer Baukultur fand im Architekturstudium statt: Ich las „Lob des Schattens“, ein Essay von Tanizaki Jun’ichiro über japanische Ästhetik aus dem Jahr 1933. Später arbeitete ich dann an dem Buch „Minihäuser in Japan“ von Hannes Rössler mit, auf dessen Cover sich ein eh schon kleiner Mini Cooper unter etwas duckt, das aussieht wie die Designversion einer Wellblechhütte. Mit der dazu entwickelten Ausstellung wollten wir das Bewusstsein für das, was bei uns maximal als städtische Restfläche verschrien ist, schärfen. In Tokio werden Parkplätze ja preislich eher wie Luxusgrundstücke gehandelt. Im Gegensatz zu diesen Minimallösungen erscheint das Feld des Wissens, das es für uns in dieser Ausgabe zu beackern galt, umso weitläufiger: Wer sind die wegweisenden Architekten Chinas? (Ab Seite 100) Wie weit prägt Asien unseren Einrichtungsstil? (Ab Seite 66) Zudem präsentieren wir Ihnen zum 24. Mal unseren Designer des Jahres, diesmal nicht aus Asien (wie 2019 Nendo), aber dafür im Doppelpack: Das Paar Yael Mer und Shay Alkalay, das als Duo Raw Edges in London firmiert, könnte man auch als Maßschneider der Möbelwelt bezeichnen. Wie passend in einer Zeit, die weniger, aber bessere Produkte verlangt. Was die zwei entwerfen, entnehmen Sie dem von ihnen entworfenen Spezial, lesen Sie als Porträt ab Seite 16 in dieser Ausgabe und erleben Sie sie hautnah auf der von den Designern kuratierten Ausstellung während der Kölner Möbelmesse im 25hours Hotel in Köln vom 14. bis 17. Januar. Wir freuen uns auf Ihren Besuch!