Opern und Theater Opernhaus in Odessa

Zwischen dem Wiener Börsenkrach 1873 und dem Beginn des Ersten Weltkriegs baute das Architekten-Duo Fellner und Helmer in den Metropolen Mittel- und Osteuropas Opern und Theater. Zwischen Hamburg und Odessa errichteten sie Prachtpaläste für die Kunst, zusammengefügt aus Stilen der Vergangenheit, aus Renaissance, Barock und Rokoko.  

Sein prächtigstes Opernhaus baut das Duo am Schwarzen Meer, in Odessa. 1794 gegründet, durch Getreide reich geworden, ist der Freihafen gewachsen „wie ein Pilz nach heftigem Regen“. Ins Zentrum der luftig leichten Stadt platzieren die beiden einen neobarocken Palast üppig wie eine Hagia Sophia. Die Oper von Odessa, am Rand von Europa gelegen, ist zur Zeit ihrer Eröffnung 1887 die zweitgrößte in der Welt, gleich nach der Mailänder Scala. Ein Rang, den sie erst einbüßt, als neun Jahre später in Manaos, am Amazonas, mit dem Geld der Kautschukbarone die nächste Riesenoper gebaut wird. Heute ist die Oper das Herz Odessas. Plätze mit uralten gestutzten Robinien, mit Bänken, Cafés und ziselierten Tortenbeeten umgeben sie. Keine fünf Spazierminuten entfernt, bei der Potemkinschen Treppe, legen Kreuzfahrtschiffe an und laden das Publikum für die 2000 Opern-Sitzplätze aus. Nachts taucht eine Lichtinstallation die Säulen, Loggien und Skulpturen abwechselnd in blaues, rotes und grünes Licht. Nach drei Seiten öffnen sich Portale in golden blitzende Treppenhäuser, die sich wie Spinnengewebe durch das Haus ziehen. Und während herbeigereiste Musikfans die großartige Akustik genießen, lieben die Odessaer den Schick ihrer Oper.

Autor:
Elke von Radziewsky
Fotograf:
Christian Grund