Opern und Theater Schauspielhaus in Hamburg

Zwischen dem Wiener Börsenkrach 1873 und dem Beginn des Ersten Weltkriegs baute das Architekten-Duo Fellner und Helmer in den Metropolen Mittel- und Osteuropas Opern und Theater. Zwischen Hamburg und Odessa errichteten sie Prachtpaläste für die Kunst, zusammengefügt aus Stilen der Vergangenheit, aus Renaissance, Barock und Rokoko.  

Das Deutsche Schauspielhaus in Hamburg ist für Fellner und Helmer der 40. Bau in Folge: Routine, nichts Besonderes. Sie nutzen Erfahrungen, duplizieren den Innenraum ihres in Wien gebauten Deutschen Volkstheaters, lassen auch in der Hansestadt österreichische Unternehmen arbeiten. Sie erfüllen ihre Aufgabe zügig. Zur Jahrhundertwende kann das Etablissement eröffnet werden. Für Hamburg dagegen ist der Kulturpalast mit 1800 Sitzen eine erste Demonstration des Großstadtstatus. Wie Odessa verdankt es seinen Reichtum dem Freihafen, und die Bürger planen ihre Zukunft in großem Stil. In weniger als zehn Jahren nach der Einweihung des Schauspielhauses werden Werften, Elbtunnel, Dammtorbahnhof und Hauptbahnhof gebaut. Mitten im zukünftigen Bahnhofsviertel, umringt von Gaststätten und Hotels, bietet das Schauspielhaus Unterhaltung: „gemütvolle Stücke, welche Schicksale tüchtiger Menschen vorführen“.

Einen funkelnden Theateredelstein, frei nach allen Seiten, brauchen die Hamburger dafür nicht. Ihr Haus kommt ohne feudale Freitreppe und Vorfahrt aus. Ungewohnt für Fellner und Helmer. Sie bauen angepasst, außen gemäßigt, innen Rokoko, Stuck, Gold, Deckenmalereien. Doch die Hamburger haben zu groß geplant. Das Haus ist und bleibt schwer zu füllen. 30 Jahre später, bevor die Nationalsozialisten es verstaatlichen, steht es vor dem Bankrott. Es folgen elende Zeiten, dazwischen Höhepunkte. In den 50ern und 60ern glänzt es mit Gustaf Gründgens, in den 70ern wird es zu einer der wichtigsten experimentellen Bühnen. Die Intendanten wechseln schnell, für Friedrich Schirmer, der als vorerst letzter kürzlich aufgibt, ein Beweis dafür, dass es „ein ungnädiges Haus ist“, eines, das es den Schauspielern unendlich schwer macht. „Schaffen sie es hier, dann schaffen sie es überall.“

Autor:
Elke von Radziewsky
Fotograf:
Christian Grund