Opern und Theater Besonderheiten der Geschichte

Zwischen dem Wiener Börsenkrach 1873 und dem Beginn des Ersten Weltkriegs baute das Architekten-Duo Fellner und Helmer in den Metropolen Mittel- und Osteuropas Opern und Theater. Zwischen Hamburg und Odessa errichteten sie Prachtpaläste für die Kunst, zusammengefügt aus Stilen der Vergangenheit, aus Renaissance, Barock und Rokoko.  

Zu den eigentümlichen Besonderheiten der Geschichte gehört, dass fast alle 50 Opern und Theater, die Fellner und Helmer bauten, jede Krise überstanden haben: erst die Weltkriege, dann die Diktaturen im Osten und das Wirtschaftswunder im Westen. Obwohl kein Historiker in ihnen außerordentliche Kunstwerte entdeckt, werden sie immer wieder restauriert. Das ärmste Land Europas, die Ukraine, finanziert eine gigantische Rettungsaktion, um mit 1800 Stahlbetonpfeilern die Fundamente der Oper in Odessa zu sichern. Wo man in den 60er-Jahren historistische Spielereien wie in Berndorf von den Fassaden wegrationalisierte, sind sie heute frisch modelliert wieder da. Ist das nur Nostalgie? Oder bewahren diese Theater ein Gefühl, die Erinnerung an ein Kulturnetz, das einmal das alte Europa überspannte von Hamburg bis Odessa? 

Autor:
Elke von Radziewsky
Fotograf:
Christian Grund