Das Architekturbüro Graft ist weltweit bekannt Projekte

Zuerst Los Angeles, dann Berlin und Beijing: Der Name Graft steht für ein Architekturbüro, das von drei Kontinenten aus weltweit operiert. Mit Anschubhilfe aus Hollywood hat sich das Gründer-Trio auch in Deutschland einen Namen gemacht – und dabei mit so manchen Konventionen und Klischees gebrochen.

Berliner Loft Gleimstraße

All-in-one

Im Berliner Loft Gleimstraße verschmelzen Wände, Decken und eingebaute Möbel zu einem Kontinuum.

Derzeit arbeiten sie an Projekten in Kuala Lumpur und Tiflis, New York und Hamburg. „Architektur muss komplex sein“, meint Krückeberg und fügt hinzu, „reich an möglichen Lesarten, Atmosphären und kleinen Geschichten.“ Pluralität ist ein wichtiges Stichwort, das bereits im Büronamen anklingt. Der englische Begriff „graft/grafting“ steht für die Veredelung von Pflanzen durch Aufpfropfen – und somit die Vielfalt innerhalb einer Einheit. In ihren Jeans, mit Badelatschen und Lederband samt Talisman um den Hals wirken Lars Krückeberg, Wolfram Putz und Thomas Willemeit in ihrer Berliner Kreativbude wie Kumpels aus der Kneipe nebenan. Ihr Selbstverständnis als Architekten gewinnen sie aus einem gemeinsamen Lebensentwurf, der viel kalifornischen Spirit hat und trotzdem auf Professionalität und Ernsthaftigkeit pocht.

„Wir haben in Kalifornien genug Sonne gefressen und glauben daran, dass es Teil unseres Jobs ist, Spaß zu haben an dem, was wir tun“, erklärt Lars Krückeberg bündig. Zu dieser Haltung passt, dass sich die Architekten auch das Streben nach Glück auf die Fahne geschrieben haben, ganz wie in der USamerikanischen Verfassung. Der deutsche Überernst beim Entwerfen läge ihnen nicht, konstatiert Krückeberg und ist sich wie seine Partner bewusst, wie sehr sich Graft allein schon äußerlich vom klassischen Klischee des Architekten mit schwarzem Rollkragen und dunkelrandiger Brille unterscheidet. Sich mit den Grafts zu unterhalten, erfordert Weitsicht und Verständnis für globale Zusammenhänge. Da ist die Rede von Jiu-Jitsu und von den Möglichkeiten der Re-Allegorisierung, dann wieder beziehen sich die Jungs auf den Kunsthistoriker Erwin Panofsky, auf den Alten Fritz und Marco Polo, erläutern die Qualitäten des Hospitality-Designs und legen sich vehement für „social sustainability“, Nachhaltigkeit, ins Zeug.

Autor:
Sandra Hofmeister
Fotograf:
Jan Bitter, Ricky Ridecos, Virginia Miller