London Sammelleidenschaft

Wie ein Besessener kaufte der Baumeister John Soane um 1815 Kunst und Architekturfragmente und pflasterte damit die Wände seiner Häuser im Zentrum Londons. Dort kann man die Sammlung des Exzentrikers noch heute bewundern: im aufwendig restaurierten Sir John Soane’s Museum.

Soanes größter Triumph als Sammler war 1824 der Erwerb des mit Hieroglyphen übersäten Alabaster-Sarkophags des ägyptischen Pharaos Sethos I. Dem British Museum war er zu teuer, Sir John Soane war er die damals horrende Summe von 2000 Pfund wert. „Heute sind die grün vor Neid“, so Tim Knox, Direktor des ungewöhnlichsten Museums des Landes. Soane sammelte mit Feuereifer weiter – vielleicht auch, weil er stets darauf bedacht war, seine einfache Herkunft zu verheimlichen. Niemand sollte erfahren, dass er der Sohn eines Maurers war. Und damit keiner Verdacht schöpfte, verlieh er seinem Nachnamen mit dem angehängten „e“ einen eleganteren Klang.

Als Soane 1806 zum Architekturprofessor an die Royal Academy berufen wurde, begann er Winkel, Wände und Gesimse seines Hauses mit seinen Schätzen regelrecht auszufüllen. „Soane liebte architektonische Herausforderungen“, so Kurator Jerzy Kierkuc-Bielinski. Selbst beengteste Räume wie ein Klosett oder einen Wandschrank wandelte er in Galerienischen um.

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Autor:
Camilla Péus
Fotograf:
Giovanni Castell