London Architekt mit Begeisterung

Wie ein Besessener kaufte der Baumeister John Soane um 1815 Kunst und Architekturfragmente und pflasterte damit die Wände seiner Häuser im Zentrum Londons. Dort kann man die Sammlung des Exzentrikers noch heute bewundern: im aufwendig restaurierten Sir John Soane’s Museum.

Mit seinem Enthusiasmus hoffte er auch, seine Söhne für den Architektenberuf begeistern zu können. Als diese abwinkten, führte er seine Studenten durch die Galerien, versteckten Separees, Innenhöfe und Katakomben seines Hauses. Große Augen bekamen die beim Anblick der Architekturmodelle. Dabei platzierte er ganz selbstverständlich eigene Entwürfe, darunter auch sein Hauptwerk, die „Bank of England“, neben Ikonen der Baukunst wie dem Pantheon. Auch der „Picture Room“ war und ist ein Ereignis: Mittels doppelter Wände, die Soane wie riesige Fensterläden in den Raum klappte, verwandelte er den kleinen Salon in eine Gemäldegalerie. Als Oberlicht setzte er Glasbögen aus abwechselnd transparentem und opakem Glas ein – und erfand so eine optimale Beleuchtung für Canalettos Werk „Canal Grande“ von 1730.

Mehr denn je erlebbar wird jetzt diese, laut Oxford Dictionary of Architecture „komplexeste und raffinierteste Ansammlung von Interieurs, die je konzipiert wurde“. „Opening up the Soane“ heißt das rund neun Millionen Euro teure Projekt, bei dem die Interieurs der Nachbarhäuser Nummer 12, das Soane anfangs mit seiner Familie bewohnte, und Nummer 14, das er später dazukaufte, von Julian Harrap Architects detailgetreu restauriert werden. Der „Breakfast Parlour“ von 1719 zum Beispiel, in dem einem das gemalte weinberankte Spalier an der Decke vorschwindelt, man säße in einem lauschigen Garten – laut Knox „ein seltenes Überbleibsel seiner Interi - eurgestaltung“. Oder die Wände in Pompeji-Rot, inspiriert vom Farbton eines Putzstückchens, das bei einer Reise dorthin in Soanes Hosentasche wanderte.

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Autor:
Camilla Péus
Fotograf:
Giovanni Castell