London Zurück zum Originalzustand

Wie ein Besessener kaufte der Baumeister John Soane um 1815 Kunst und Architekturfragmente und pflasterte damit die Wände seiner Häuser im Zentrum Londons. Dort kann man die Sammlung des Exzentrikers noch heute bewundern: im aufwendig restaurierten Sir John Soane’s Museum.

Die Wiederherstellung von Soanes Imperium ist komplett, wenn die Restauratoren an den hauseigenen Hightech-Arbeitsplätzen die Räume in der Nummer 13 in den Originalzustand zurückversetzt haben. Der Aufwand ist gewaltig. Immerhin waren Schlafgemächer, Bad und Boudoir 180 Jahre lang verschlossen. „Die Inventarlisten beweisen, dass sich rund 90 Prozent der von Soane angeschafften Objekte und Möbel noch innerhalb der drei Häuser befinden“, schwärmt Kierkuc-Bielinski. „Wir müssen sie nur richtig verteilen.“

Trotz der Fülle fällt auf, wie reduziert der Architekt die eigentlichen Räume ausstattete. Das Schlafgemach seiner Frau, jetzt eine von Caruso St John Architects entworfene Galerie für temporäre Ausstellungen, zierte nur eine schmale karmesinrot- schwarze Bordüre. „Statt auf opulente Ornamentik konzentriert er sich auf den Umgang mit Licht, Raum und Materialien“, sagt der Museumskurator. „Damit inspiriert er bis heute Stararchitekten wie Tadao Ando, Arata Isozaki und David Chipperfield.“

Dennoch: Der Besuch bei Sir John Soane gleicht dem Eintritt in eine Zeitkapsel. Einer angenehm unakademischen Tour durch das Reich eines nimmersatten Genies. Was bleibt, ist nicht die Erinnerung an einzelne Werke der aberwitzigen Sammlung, sondern an die vielen Wunderkammern. Kein Kurator, kein Bühnenbildner hätte die Sammlungen des Ausnahmearchitekten eindrucksvoller inszenieren können.

2 3 4
Schlagworte:
Autor:
Camilla Péus
Fotograf:
Giovanni Castell