Architekten AFF – viel aus wenig

Die jungen deutschen Architekten machen verstärkt auf sich aufmerksam durch intelligente Entwürfe von Lowtech-Bauten mit ästhetisch hervorragenden Ergebnissen.
AFF Berlin

AFF

AFF Berlin
Dass AFF aus Berlin weder wiederkehrende Motive noch eine erkennbare Handschrift haben, ist offensichtlich. Sie haben eine geheimnisvolle Schutzhütte aus Beton errichtet und ein Schloss zum Museum umgebaut, daneben Schulen geplant und in einen Kirchenfußboden Reliefs hineingefräst. „Wir sind“, sagen Sven und Martin Fröhlich selbstbewusst, „einfach nicht einzuordnen.“ Wenn es denn eine Gemeinsamkeit bei all ihren Projekten gibt, so empfinden es die Architekten, dann die, dass die Budgets knapp bemessen waren. „Wir haben meist öffentliche Auftraggeber. Die fragen nie, was schöner, sondern immer nur, was im Budget ist“, sagt Martin Fröhlich. Doch gerade unter diesen Verhältnissen Poetisches zu produzieren und Architektur, „die die Nutzer toll
finden“, ist der Anspruch von AFF. Und auch dies: „Langeweile im Objekt ist für uns unerträglich.“

Für beides setzen die Brüder schon in ihren Arbeitsräumen ein starkes Zeichen. Sie residieren in einer ehemaligen Ostberliner Stadtteilbibliothek, ausgestattet im Stil des stalinistischen Klassizismus. „Ja, ja“, grinst Sven Fröhlich, „wir sind manchmal ein bisschen retro drauf. Die Regale in ihrem Büro quellen über von Fantasie und von Objekten, deren Sinn nicht immer gleich zu entschlüsseln ist. „Es ist“, erläutert Martin Fröhlich, „eine Mischung aus Industriekultur des 19. und 20. Jahrhunderts und einer Prise Ostalgie.“ Da stehen Spindeln neben Isolatoren, Fettpressen, Leuchten und Bügeleisen neben Gummipuffern und Stanzeisen. Die Sammlung steht für Funktionalität und die eigene Herkunft aus Deutschlands Osten. Als reduzierte Haltung schlagen sich diese Interessen in den Bauten von AFF nieder: „Wir mögen minimale Ansätze in der Ästhetik, die Idee, dass man aus wenigem viel macht.“

Die krude Schutzhütte im Erzgebirge, die auf den ersten Blick wie ein Bunker wirkt, wurde als Abguss einer älteren Holzhütte am selben Ort entwickelt. Als Relief lebt der verschwundene Bau in den Betonwänden fort, was auch den Vorteil hatte, dass für den Neubau keine Baugenehmigung erforderlich war. Der wuchtige Betonbau entpuppt sich auf diese Weise als poetisches Statement – vielleicht verbindet ihn dies mit der Anna-Seghers-Schule in Berlin. Auf deren schlichter Putzfassade sind in pastellfarbenen Brauntönen Punkte aufgebracht. Das Muster übernahmen die Architekten von einem schwedischen Militärtarnnetz. „Für uns“, erklärt Sven Fröhlich, „ist das ein Versuch, die Architektur mit der Umgebung in einen Dialog zu bringen.“

Mehr Ausdruck als die zarten Punkte, sind AFF Architekten überzeugt, ist heute auch kaum mehr möglich. Zum Ende des Besuches schaut Martin Fröhlich erstaunt auf die figurativen Holzintarsien an seinen Bürowänden, fast, als sähe er sie zum ersten Mal. Und konstatiert nüchtern: „Das würde man heute auch nicht mehr durchkriegen.“

Autor:
Christian Tröster
Fotograf:
Jan Kopetzky